Montag, 7. Juni 2010

Regierung und Regulierung – Teil 1 und Monsterwellen und das Unschärfeprinzip in der Finanzwelt – Teil 2

Regierung und Regulierung – Teil 1

Krise, Krise über alles….
Die Finanzkrise und die sich daraus ergebenden anderen Krisen wie die Wirtschaftskrise, die Schuldenkrise, die Staatsfinanzenkrise, die Euro-Krise, die Marktwirtschaftskrise oder die „was auch immer Krise“ lassen einige Zeitgenossen zu der Aussage verleiten, dass die Entwickler dieser Krisen Räuber, Betrüger oder Bankster seien. Wir leben in einer realen virtuellen Geldwelt und die Regierungen der Welt haben nicht verstanden, dass es für derlei Aktivitäten einer neuen, erweiterten Gesetzgebung bedarf, um den Spieltrieb der Händler, Investmentbanker, Equity- und Hedgefondsmanager zu zügeln. Zügel, die es in der Güter- und Dienstleistungswelt selbstverständlich für jeden gibt, um das Übervorteilen von Marktteilnehmern zu beschränken.

Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank?
Ein Bankräuber, der in einer Bankfiliale „Geld oder Leben“ ruft und einen Beutel Geldscheine mitnimmt, wird selbstverständlich verurteilt. Drei Groschen für die Oper sollte er auf jeden Fall mitnehmen. Wir haben aber keine Vorstellung davon, wenn Insider per Mausklick täglich Milliarden im elektronischen Raum umherkreisen lassen und sich diese Gelder quasi im Nichts auflösen. Wir wissen aus der Physik, dass sich Masse und Energie nicht in Nichts auflösen, sondern sich bei entsprechender Beeinflussung nur die Aggregatszustände verändern.

Soll Manipulation strafbar sein?
In der virtuellen Geldwelt kann man nicht ohne weiteres von Gangstern, Räubern, Betrügern reden, da die Dinge nicht mehr so einfach sind, wie in der realen Geldwelt. Liegt denn Vorsatz, Notstand, Boshaftigkeit oder unlauteres Handeln vor, wenn virtuelle Spieler oder gar nur die Computerprogramme selbst die Kurven der Charts beobachten und daraus ihre Vermutungen ableiten?
Ist es verboten, Marktteilnehmer durch Sprachverwirrung zu verführen? Sind die Nutzung von Adjektiven, Adverbien, Präpositionen und/oder deren Stellung im Satz und/oder in einem zielgerichteten Gesamtkontext strafbar? Auch wenn das Ziel lautet, der Habe der Menschen leibhaftig werden zu wollen?
Um die Verbrechen, die diese Leute begehen, zu verstehen und verurteilen zu können und verurteilen zu wollen, müssen wir bereit sein, uns von den Denkmustern für herkömmliche Verbrechen zu lösen.

Ein neuer Name für ein neues Verbrechen
Zunächst müssen wir den Tätigkeiten einen Namen geben, sagen wir „Geldtransformationen“. Diejenigen, welche diese Tätigkeiten ausüben, nennen wir demnach „Geldtransformatoren“. Solange diese „G-former“ oder „M-former“ (M für money) sich damit herausreden dürfen, dass sie nicht wissen können, dass ihre individuellen Handlungsweisen der Transformation von Millionenbeträgen im Sekundentakt, sowie die Kreation von Derivaten wie CDO oder CDS und deren Mutationen zu systemrelevanten, nachteiligen Veränderungen der Märkte führen können, solange wird man deren Tun mit dem Strafrecht oder Zivilrecht nicht habhaft werden können.

Ist der Amokfahrer Schuld an der Amokfahrt oder sind es die Umstände?
Das ist in etwa so, wie wenn ein Autofahrer regelmäßig mit 200km/h durch die Innenstadt fährt und es passiert 100 Mal nichts. Beim nächsten Mal läuft plötzlich eine Gruppe von 20 Kindern auf die Straße und es passiert das, was sich keiner vorstellen möchte: 7 Tote, 8 Verletzte. Der Autofahrer wird fragen: „Was machen denn die Kinder auf MEINER Straße? Das war ein unvorhersehbares Ereignis!“
Sollte man den Autofahrer deshalb nicht bestrafen dürfen, weil er nicht absehen konnte, dass Kinder in der Nacht auf SEINER Straße laufen? Und muss nicht jeder, der sich in einer Risikozone aufhält, damit rechnen, dass er Risiken zu tragen hat?
Nun wissen wir, dass der Autofahrer wegen des schweren Unfalls und wegen verantwortungslosen Verhaltens verurteilt werden kann, wenn ihm das zu schnelle Fahren nachgewiesen wird. Er könnte aber bereits auch ohne Unfall wegen Raserei bestraft werden.

Raserei im Finanzmilieu ist erwünscht
Im Finanzmilieu ist Raserei erlaubt. Wenn der „G-former“ einen Unfall baut, wird er in Watte gepackt und gerettet. Seine Opfer bleiben am Straßenrand liegen, ob als Zwangsenteignete des Eigenheims, Arbeitslose oder den Ersparnissen Beraubte.
Warum werden die „G-former“ nicht wegen Raserei auf der Geldautobahn bestraft? Warum gibt es keine Verkehrskontrollen im Finanzraum? Warum führt man keine Maut ein, um Geldströme zu lenken? Es gibt keine Geschwindigkeitskontrollen. Jeder darf so schnell fahren, wie er möchte - wie er muss. Denn wer nicht schnell genug fährt, kann eine Menge Geld verlieren. Daher ist die Raserei im virtuellen Raum auch der Normalfall.
Was würde passieren, wenn wir keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Straßen hätten?
In der „G-former“-Welt ist Rücksichtslosigkeit geradezu Pflicht. Es gibt eine oberste Priorität: „Investiere das Geld - und mache Gewinn, koste es was es wolle.“

Geschwindigkeitskontrolle durch Finanztransaktionssteuer
Daher bedarf es einer Geschwindigkeitsbegrenzung im Transformationszirkus der Geldakrobaten. Eine Finanztransaktionssteuer („Tobinsteuer“ oder „Tobingebühr“) könnte den virtuellen Geschwindigkeitsrausch wahrscheinlich bremsen. Straßenplaner lassen an Gefahrenstellen Leitplanken aufstellen, um mögliche Unfälle glimpflicher ausgehen zu lassen. Diese Leitplanken würden in der Finanzwelt „Regulierung“ heißen.

Führen die Regierungen REGIE?
Aber Regulierung und Regierung sind in vielfacher Weise unglücklich miteinander verwoben. Im Wort Regierung steht REGIE am Anfang. Wir wissen aus der Filmbranche, dass der Regisseur das Zepter in der Hand hat. Natürlich werden Produzenten, Drehbuchautoren, Schauspieler, Kameraleute und all die anderen Mitgestalter eines Films versuchen, ihre Wünsche und Vorstellungen einzubringen oder gar durchzusetzen. Aber der Regisseur ist der Chef im Ring. Er hat die Aufgabe, aus der Summe der Teile ein Ganzes zu gestalten und wenn ein Film besonders gut werden soll, ein Kunstwerk zu schaffen.
Regie führen im Finanztheater aber schon lange nicht mehr die REGIErungen.

Erleuchtung für die REgierungen?
Mythologisch geht es in den Regierungen sicherlich nicht zu, auch wenn wir nur die erste Silbe betrachten: RE – der Sonnengott der Ägypter. Immerhin haben uns der Pharao Chafre (Chefren, um 2.550 v.Chr.) und dessen Nachfolger bleibende Werte geschaffen, von denen die Ägypter und der Rest der Welt noch heute profitieren. Die Pyramiden sind nachhaltige Monumente für eine Blütezeit. Die Hoffnung auf Erleuchtung der heutigen Regierungen habe ich noch nicht aufgegeben. Die Nutzung der Sonnenenergie zum Wohle der Menschheit ist ein wichtiges Ziel.

Sind ReGIERungen gierig?
Die zweite Silbe trifft heutzutage den Nagel eher auf den Kopf, wenn wir die ReGIERungen näher betrachten. Denn Gier ist nicht nur eine Eigenschaft von mysteriösen Investmentbankern, sondern auch von unseren Volksvertretungen. Betrachten wir nur die Vielfältigkeit der Steuersammlungen und Abgabensysteme, die zur Volksbeglückung beitragen sollen.
Die „G-former“ behaupten genauso wie die Regierungen, dass das Abschöpfen von Geldern nur zum Wohle des Volkes erfolgt. Jede Zange hat nun mal zwei Seiten. Die Gekniffenen sind die breiten Massen.

Sozialismus und Liberalismus
Reiche Menschen betrachten Steuern und Abgaben als eine Begleiterscheinung von Sozialismus und als Beschränkung der Freiheit der Entfaltung des individuellen wirtschaftlichen Handelns. Das Abschöpfen des Volksvermögens durch Transformationsgebühren und –verluste der „G-former“, haben schon lange Ausmaße einer Besteuerung angenommen. Das nennen die gleichen Leute aber Liberalismus oder Marktpreise. Seltsamerweise werden sogar die Rettungspakete der Regierungen als weitsichtige, die freie oder soziale Marktwirtschaft rettende, Entscheidungen betrachtet. Die Wettbüros sollen schließlich nicht geschlossen werden müssen. Es sollen nur die Risiken, die der Neoliberalismus mit sich gebracht hat, in die Zukunft verlagert und vergesellschaftet werden.
Natürlich ist es seltsam, dass die Menschenmassen lieber ihr Geld zu den „G-former“ hintragen, damit diese das sauer verdiente Geld versorgen und umverteilen, als dem Staat – trotz seiner Schwächen – seinen Obolus zu geben, damit das Gemeinwohl gefördert werden könnte.

Geld – der Leim der alles zusammenhält
Das transformierte Geld ist demnach die Transglutaminase der modernen Finanzindustrie. Die Restrukturierung von Fleischresten durch Enzyme, ist vergleichbar mit der Erhaltung des derzeitigen Finanzsystems. Der Leim ist frisch gepresstes Geld und Garantien der Regierungen.
Haben Sie Zweifel? Dann fragen Sie nach, wie viele ehemalige Investmentbanker heute in den Finanz- und Wirtschaftsministerien und in anderen Verwaltungen sitzen und wer die Regierungen bei den Rettungspaketen beraten hat. Fragen Sie, wer Gesetzesentwürfe vorbereitet. Man braucht schließlich Sachverstand. Der wird leider zu oft mit Lobbyismus gleichgesetzt. So genannte Bedenkenträger haben bei den wichtigen alternativlosen Entscheidungen keine Stimmen.

Regulierung und Klärwerke
Bringen wir die Re-GULI-erung auf den Punkt: Wenn die Regierungen die Regulierung wie bisher den Gulli runterspülen, wird diese weiterhin in den Klärwerken („Ratingagenturen“) der Finanzindustrie gereinigt. In dieser Finanzkloake wird das „UL“ heraus gewaschen und der Rest der „Regierung“ frisch gereinigt übergeben.
Die Regierungen geben vor, das Volk und das Geld des Volkes zu schützen, dabei werden aber überwiegend die Interessen der Finanzindustrie und deren aristokratische Ausprägungen geschützt. Es wird behauptet, dass die Rettung der virtuellen Finanzwelt unabdingbar war und ist, um den Zusammenbruch der realen Wirtschaftswelt zu verhindern. Es wird behauptet, dass es notwendig ist, dass für 1 real produzierten Euro, 30 bis 40 virtuell erzeugte Euro erforderlich seien, damit der 1 reale Euro überhaupt existiert.

Die moderne Finanzindustrie versorgt uns mit Krebs
Man kann genauso gut behaupten, dass ein Mensch Krebs braucht, um existieren zu können. Darf der Mensch demnach nur existieren, wenn er Krebs hat? Der Krebs der Finanzindustrie ist nicht notwendiger Teil sinnvollen wirtschaftlichen Handelns. Entschleunigen wir das Wachstum der Krebsgeschwulst, die uns in Form von Derivaten immer neue Krankheitsbilder serviert.
Die Regierungen haben Angst, den Krebs herauszuschneiden, weil ihnen von interessierten Kreisen eingeredet wird, dass der Organismus – die Marktwirtschaft – ohne den Krebs nicht überleben wird. Die Krankheit selbst darf die Therapie bestimmen. Moderne Zeiten.

Monsterwellen und das Unschärfeprinzip in der Finanzwelt – Teil 2

Der atlantische Finanztsunami
Müssen wir uns auf die dritte – natürlich vollkommen unvorhersehbare – Krisenwelle vorbereiten? Scheinbar unaufhaltsam führen die Finanztsunamis zu gewaltigen Überschwemmungen. Die erste Monsterwelle („Finanzkrise“) schwappte von den USA über den Atlantik und wird nach den phonetischen Sprachlauten der Erstsilben des Katalysators „LEhman-BROthers“ „Lepra-Welle“ genannt.
Diese Welle hat bis heute nicht aufgehört, seine zerstörerischen Wirkungen zu entfalten. Der Druck dieser Welle wirkte bis ins Mittelmeer hinein, türmte dort weitere Wassermassen auf und traf die europäische Landmasse zunächst in Griechenland.

Staatsfinanzen und griechische Mythologie
Betrachtet man die Tiefen der griechischen (=hellenischen) Mythologie, wird aus dem Meer der Geschichte erstaunliches an Land gespült. Hellen gilt als Urahn der griechisch sprechenden Menschen. Er war der Sohn von Deukalion und Phyrra, die als einzige eine große Sintflut überlebt hatten. Phyrra war die Tochter von Epimetheus und Pandora.
Die Büchse ist offensichtlich noch offen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Diese zweite Monsterwelle („Staatsfinanzenkrise“) wird daher auch „Pandora-Welle“ genannt. Mittlerweile wurden große Teile des südlichen Europa von der „Pandora-Welle“ erfasst.
Da diese sich aber auf der iberischen Halbinsel mit der „Lepra-Welle“ vereinigt hat, wird nun die Kraft der beiden Wellen wie ein Sturm über ganz Europa hinwegrauschen. Wer und was dabei alles unter Wasser geht, ist noch nicht ausgemacht. Manch eine Regierung wird ganz sicher baden gehen.
In der EU fröstelt man bereits, da die Wassertemperatur sehr niedrig ist. Der Sprachgebrauch gegenüber den Finanzhaien, die in den Wellen das große Fressen veranstalten, ist zwar etwas abgekühlt. Es werden aber massenhaft Rettungsringe zu den Haien geworfen. Man hegt sozusagen die Vorstellung, dass man mit einer Flutung (mit Geld) der Überschwemmung (von schlechten Produkten) Herr werden kann.
Derweil hören wir weiter auf die Sirenengesänge der Finanzindustrie…

Neue Aggregatszustände des Geldes
Die neuen Aggregatszustände des Geldes werden aktuell im Wesentlichen durch frisches Geld, Bürgschaften und Garantien der Staaten bestimmt. Diese Umschichtungsorgie von den Banken und Finanzinvestoren hin zum Steuerzahler hat bereits zweimal funktioniert und wird sehr, sehr lange andauern. Man hat den Eindruck, als ob die Reichen dieser Welt es in nur zwei Wellen schaffen, die ihnen in den letzten Jahrzehnten mühevoll durch Steuern und Abgaben abgeschöpften Mittel, wieder auf ihre Seite der Bilanz zu übertragen.

Jeder von uns ist stolzer Besitzer von Staatsanleihen
Wir, das Volk, werden auf diese Weise unfreiwillige Besitzer von Staatsanleihen mit der Garantie auf Teilverlust der Werte. Dafür dürfen wir auch noch Steuern zahlen. Und natürlich Zinsen. Verstehen Sie das Prinzip?
Griechenland muss laufend Anleihen zurückbezahlen an derzeitige Gläubiger wie Banken und Finanzinvestoren. Griechenland hat aber kein Geld, womit die derzeitigen Gläubiger auf ihren Anleihen sitzen bleiben würden. Nun kommen die Staaten - in Deutschland in Form der KfW-Bank - und kaufen neue Anleihen der Griechen. Nun bezahlen diese die fälligen Anleihen. Die Altgläubiger erhalten 100% der Anleihenbeträge zurück. Wir Steuerzahler haben jetzt die schlechten Anleihen im Portfolio. Aber wer gibt der KfW das Geld zum Kauf der Anleihen?
Natürlich DIE Banken und Finanzinvestoren, welche die faulen Anleihen nun gegen Anleihen mit Staatsgarantie der noch soliden EU-Staaten oder der EU selbst getauscht haben. Anstatt mindestens 30% ihres Staatsanleihen-Anlagevermögens abschreiben zu müssen, erhalten Sie sogar noch gute Zinsen. Und Griechenland zahlt weiter Zinsen, die das Land gar nicht erwirtschaften kann. Die Umschuldung tragen die Steuerzahler. Das ist Finanzarithmetik in höchster Vollendung. Zumindest aus Sicht der Finanzjongleure.

Die „Büchse der Pandora“ für die Volksseele
Wenigstens können wir sicher sein, dass wir als Gegenleistung für die Rettung der Banken und der Finanzinvestoren einen großen Geschenkkorb aus der „Büchse der Pandora“ erhalten:
Kürzung von Bildungs- und Forschungsausgaben, Kürzung von Sozialleistungen, Erhöhung von Sozialversicherungsbeiträgen, Erhöhung von Steuern und Abgaben. Lauter tolle Leckereien zum Wohle des Volkes. Es wird uns versichert, dass ansonsten alles noch viel schlimmer gekommen wäre. Gibt es etwa noch eine zweite Büchse der Pandora, von der wir nichts wissen?

Verwalter statt Gestalter
Politiker, Banker, Investoren und Finanzwissenschaftler werden mir den Vorwurf machen, dass meine Argumente polemisierend wirken. Nun, das sollen sie auch. Die Regierungen vermeiden aus mir unerklärlichen Gründen den Meinungsstreit mit der Finanzwelt. Sie agieren wie zahnlose Tiger und lassen sich auf der Nase herumtanzen. Regierungen sind vom Gestalter zum Verwalter degradiert. Künftigen Generationen wird deren Gestaltungsspielraum genommen. Das Handeln der Regierungen von heute ist von wenig Verantwortung geprägt.

Das Unschärfeprinzip des Geldes
Die Finanzindustrie kann man gut mit der Quantenmechanik und einem ihrer Grundprobleme vergleichen. 1927 formulierte Heisenberg mit seinem Unschärfeprinzip, dass es grundsätzlich unmöglich ist, Ort UND Impuls bzw. Energie UND Zeit eines Teilchens bzw. Wellenpakets genau zu bestimmen. Anders formuliert: Bei einem Quantenobjekt kann man in jedem Moment sagen, wo es ist oder wie schnell es sich bewegt, aber nicht beides zugleich.

Übersetzt auf die Finanzindustrie wissen sie, dass sich ihr Geld sehr schnell bewegt. Im selben Moment, wo sie es den Finanzzauberern anvertraut haben, ist es bereits an einem anderen (un-) bestimmten Ort. Am Computer verfolgen Sie weiter, wo es jetzt – genau jetzt – ist, um Augenblicke später festzustellen, dass es da gar nicht mehr ist. Ihr Geld ist da und dort und bewegt sich weiter – sehr schnell. Ihr Geld ist Energie. Zeit ist Geld. Durch die Bewegungsenergie des Geldes werden einzelne Teile herausgelöst. Denn Energie kostet Geld. Irgendwann beschleicht sie das Gefühl, dass all die hektische virtuelle Bewegungsenergie des Geldes dazu führt, dass ihr Geld weg ist. Nein, nicht weg – es hat nur den Besitzer gewechselt. Nun wissen sie, wo ihr Geld ist – wahrscheinlich nicht mehr bei ihnen. Das ist das Unschärfeprinzip des Geldes.

Ein Postulat der Finanzindustrie
Wir Menschen haben ein Postulat der Finanzindustrie bisher vollkommen falsch interpretiert. Der Satz lautet: „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten!“. Es wurde ihnen suggeriert, dass es für SIE arbeiten sollte. Diese Unschärfe wird ihnen zum Verhängnis, da das Geld für andere arbeitet. Der Satz ist wahr. Nur ihre Wahrnehmung ist falsch.

Führt REGIE!
Seien sie nicht frustriert, weil sie sich hilflos fühlen. Energiezustände und Geldtransformationskreisläufe können sich jederzeit ändern. Es liegt an den Regierungen, dies zu veranlassen. Regierungen der Welt: „Führt REGIE!!“

Grüße aus dem Rettungsboot,
Ihr Dietmar Helmer

Montag, 16. März 2009

Stirb an einem anderen Tag – Junk Bonds lebt zweimal.

Sein Name ist Bonds, Junk Bonds. Die geheime Organisation CDS (Center of Derivate and Syndication) hat ihm die Mission Impossible übertragen, im Wert zweifelhafte Kredite in profitable, strukturiere Wertpapiere zu wandeln. Eine besondere Rolle sollen hierbei die komplexen Briefe des Geheimbundes spielen. Inhalt und Größe dieser Briefe sind unbekannt. Selbst der Ort der Lagerung ist nicht genau feststellbar. Allerdings soll der Inhalt der Briefe höchst gefährlich sein für das Weltfinanzsystem. Die Medienwelt ist sich nicht einig, ob diese Briefe toxischer Giftmüll sind oder eine gewaltige Sprengkraft besitzen. Allerdings haben sich die Postverwaltungen der Welt bei den Regierungen beschwert, da sie ihr jeweiliges Briefbeförderungsmonopol bedroht sehen. Die besondere Herausforderung dieser Briefe ist aber, dass weder der Absender noch der Empfänger bekannt sind.

Mein Freund Jason versucht bereits nach dem Bourne Out der Briefe deren Identität festzustellen. Von interessierten Kreisen wird mehrfach betont, dass nur 24 Stunden Zeit ist, die Briefe zu finden, den Inhalt sicherzustellen und als streng geheim zu deklarieren, zu versiegeln und vergessen zu machen, dass es je solche Briefe gegeben hat. Die Postverwaltungen sind beauftragt, sofort Rettungspakete der Regierungen zu verschicken, auch wenn der Inhalt dieser Pakete niemals dort ankommen wird, wo er eigentlich hin sollte.
Die CTU (Central Treasury Union) hat ihren Agenten Jack beauftragt, die konspirative Verschleierung der Verbriefungen zu decken.

Das Zentrum der CDS soll sich in der Spielbank Casino Royale befinden, in der sich auch James Bond gerne aufhält, um „The Invisible Man“ das Handwerk zu legen. Die Bank des Kasinos ist eine SWAP-Station, ein Umschlagplatz für faule Kredite. Jeder kann hier täglich sein reales Geld in spekulative Chips umtauschen. Jack spielt seit Stunden als verdeckter Ermittler Black Jack. James, der mit Junk Bonds weder verwandt noch verschwägert ist, beobachtet die Szene genau, zumal ihm bekannt ist, dass in London eine mutmaßliche Lagerstätte der geheimen Briefe sein soll. Jack findet mittlerweile heraus, dass er ein Bauernopfer und die CTU seit Jahren einer der Hersteller der mysteriösen Briefe ist.
Inzwischen deckt Bourne die Identität der CDS-Geheimloge auf. Er kann in letzter Minute verhindern, dass die verschwundenen Briefe im „Fegefeuer der Eitelkeiten“ verbrannt werden und beauftragt den Transporter, die Briefe den Regierungen der Welt zu übergeben.
Bevor der Transporter seine Lieferung übergeben kann, wird er von den Schergen der CDS gestellt. Deren Anführer Jim Beam fordert die Regierungen auf, wenigstens 40% auf die Briefe zu bezahlen. Zwar haben die Briefe bisher nur Kapitalrenditen von 25% versprochen, aber bei dem Versuch der letztmaligen Abschöpfung der toxischen Finanzinnovationen, sollte wenigstens „ein Schnaps obendrauf“ gezahlt werden.
Die Regierungen, entsetzt über die Schamlosigkeit der Forderungen, sind dennoch bereit zu bezahlen. Es wird bekannt, dass einzelne Virenstämme der mysteriösen Substanzen bereits ganze Industrien verseucht haben sollen. Das Dream Team James, Jason und Jack lässt sich vom Transporter zur Area 51 fahren. Hier wurde eigens unter dem bereits unbekannten Untergeschoss, in welchem mutmaßlich ein UFO aufbewahrt wird, ein weiteres Geschoss gebaut. Erste Ermittlungen aus der Akte X haben ergeben, dass das Geheimnis des UFOs, das fälschlicherweise als Unidentified Flying Objekt bezeichnet wird, in der Struktur des Objektes liegt. UFO ist gar kein Objekt, sondern besteht aus Subjekten, die sich Unknown Financial Operator nennen.

Auf der Fahrt zur Area 51 entdecken Wissenschaftler, dass die Dimension der Beschleunigungskräfte der unbekannten geheimen Briefe so groß ist, dass die Wahrscheinlichkeit der Erschaffung von „Schwarzen Löchern“ als sehr hoch eingestuft wird.

Deshalb haben die USA die Sicherheitsstufe DEFCON-0 (Defence Conditions) ausgerufen. Sie dient dazu, die Verschiebung des „Kom(m)as“ um den Faktor 10 zu ermöglichen. Der „Verteidigungshaushalt“ aller Regierungen sollte ursprünglich mit wenigen 100.000.000.000 (100 Milliarden) erfolgen. Mittlerweile wurde durch den ersten Ausruf des Notstands der Haushalt um ein DEFCON-0 verschoben auf 1.000.000.000.000 (1.000 Milliarden). Mutmaßlich wird der wahrscheinlich anzunehmende Gesamtschaden die Größenordnung von zwei DEFCON-0 auf 10.000.000.000.000 (10.000 Milliarden) übersteigen.
Es liegt nun an James Bond, Jason Bourne, Jack Bauer und dem Transporter, gemeinsam zu verhindern, dass die kritische Masse erreicht wird. Die Endlagerung des Giftmülls in einer „Bad Bank“ wird sich mutmaßlich als „Bad Bunk“ herausstellen (schädlicher, schlimmer, kranker Nonsens, Quatsch).
Machen wir uns bewusst, dass „Sie leben“, die „X-Men“. Die „Phantastischen Vier“ - „Fantastic Four“ werden es nicht alleine schaffen, die „X-Men“ in den „Käfig voller Narren“ zu sperren.

Dietmar Helmer
veröffentlicht, 16. März 2009
Weitere Informationen zur Finanzkrise sind veröffentlicht unter
http://www.buergerstrom.eu
Finanzkrise - Backdraft der Finanzmärkte
Finanzkrise und Schwarze Löcher - Eine Satire
Wirtschaftskrise und Tobin-Steuer
Strukturwandel statt Konsumanreize

Montag, 8. Dezember 2008

Wirtschaftskrise - Think Big – Big deals für das Volk

Strukturwandel statt
Konsumanreize und Steuersenkungen


Horrormeldungen zur Wirtschaftskrise
Die Meldungen über die bevorstehende Rezession, Deflation oder Depression 2009 werden immer dramatischer. Wir werden jeden Tag bombardiert mit Horrorzahlen aus dem Gruselkabinett der Wirtschaftspropheten. Das sind oft die gleichen Leute, die auch die „unvorhersehbare“ Finanzkrise nicht kommen sehen wollten, obwohl die Zeichen seit Jahren auf „Warnung“ standen. Stattdessen fühlten sich alle toll bei den Wachstumszahlen für das Bruttoinlandsprodukt und den aberwitzig steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, die uns steigende Inflation und steigende Zinsen bescherten. Jetzt redet man mit großem Eifer die Wirtschaft kaputt. Man macht uns ein schlechtes Gewissen, weil die Energiepreise so massiv gesunken sind und deshalb nun eine Deflationsspirale in Gang gesetzt werden könnte.
Der Druck auf die Regierung wächst, das angeblich Konsum verweigernde Volk zu stimulieren, damit es endlich die Autos kauft, die keiner haben will und auch all die anderen Dinge, die in den gesättigten Industrieland-Märkten mit immer neuen Steigerungsraten weiter unter das Volk gebracht werden sollen.

Historische Rezession – Mehrwertsteuer runter?
Der Deutsche Bank Chefvolkswirt, Norbert Walter, spricht laut Spiegel-online vom 05.12.2008 gar von einer rund ein Drittel Wahrscheinlichkeit, dass das Bruttoinlandsprodukt bis zu vier Prozent schrumpfen könnte und warnt vor einer historischen Rezession. Als Sofortmaßnahme und Lösung der Probleme kommt im nächsten Atemzug: „Sofort runter mit der Mehrwertsteuer.“

Das ist ein wahrhaft historischer Lösungsvorschlag für die Finanzkrise, die jetzt zu einer Wirtschaftskrise aufgeblasen wird. Zum Nikolaustag 2008 hatten dann noch weitere 8 Top-Manager von DAX-Unternehmen die Senkung von Steuern, insbesondere auch der Mehrwertsteuer gefordert. Ebenso fordern einige Populisten in der Politik die Steuersenkung. An dieser Stelle möchte ich daran erinnern, dass allein durch die gefallenen Energiepreise der deutschen Bevölkerung und Industrie mindestens 10 Mrd. EURO mehr Geld in der Tasche verbleiben, die offenkundig im Weihnachtstrubel bereitwillig ausgegeben werden. Der Einzelhandel ist mit den bisherigen Umsätzen im Weihnachtsgeschäft zufrieden. Demnach handelt es sich bei der abzeichnenden Wirtschaftskrise nicht in erster Linie um eine Konsumkrise.
Allein beim Benzin spart der Durchschnitts-Autofahrer weit über 30 EURO im Monat. Das stimuliert den Konsum unmittelbar. Benzin ist trotz der gefallenen Preise nicht knapper geworden. Die Taschen der Spekulanten sind aber deutlich weniger gefüllt. Dass dies bei den Derivate-Akrobaten zu einer Krise führt, kann jeder nachvollziehen, sollte aber die Realwirtschaft per se noch nicht wirklich beunruhigen.
Man könnte sonst vermuten, dass die Finanzwelt unglücklich darüber ist, dass die spekulativ aufgeblasenen Energie- und Rohstoffpreise wieder auf ein für die Menschen und die allgemeine Wirtschaft vernünftiges Maß gefallen sind. Oder will jemand behaupten der Preiszustand vom Sommer 2008 war ökonomisch sinnvoll? Ist es schlimm, dass die Volkswirtschaften wegen der Krise finanziell nicht mehr ausgesaugt werden können?

Diese Finanz- und Wirtschaftskrise ist anders
Diese Finanzkrise ist anders und diese Wirtschaftskrise wird anders sein, als alles andere, was wir in den letzten Jahrzehnten gesehen haben. Allerdings wird versucht, mit einfachen Rezepten aus der Populisten-Fraktion mit Steuersenkungen oder Kaufanreizprogrammen diesem besonderen Phänomen - dem „Doppel-Whopper“ der Finanz-Wirtschafts-Krise - Herr zu werden. Die Ablenkung für die notwendige - aber aus Sicht der Banker und Finanzinvestoren zu verhindernde - Regulierung funktioniert bestens.

Wie treffsicher die Studien der Deutschen Bank sind, hatte ihr Chef, Josef Ackermann, laut Focus bereits Anfang Mai 2008 verkündet: „Wir sind mittlerweile eher am Beginn des Endes als am Ende des Anfangs der Krise.“
Wir haben neben der Finanzkrise nun auch eine Wirtschaftskrise, eine Autokrise, eine Kreditklemme-Krise, eine Kreditkartenkrise, eine Konsumverweigerer-Krise, eine Konjunkturkrise. Ach ja, am Anfang gab es die Subprime-Krise, die Lebensmittelkrise und die Energiekrise. Vor lauter Krisen wissen die Bürger, die Politiker und die Manager gar nicht mehr, wo der Anfang und das Ende von welcher Krise ist. Deshalb können Opportunisten aus Politik und Management heute hinstehen und jeden Tag neue Wohltaten für das Volk verkünden.

Kleckerprogramme der Wachstumsdynamiker
Betrachtet man all die Kleckerprogramme der Wohltatendynamiker, kann einem schon Bange um die Wirtschaft der Zukunft werden. Ob das die KFZ-Steuerbefreiung für Autos ist, die auf Halde stehen: Klimaschutzziele waren gestern – heute ist Autokrise und Wirtschaftskrise. Oder vorangegangene andere Maßnahmen wie z.B. die 10 EURO Kindergelderhöhung oder die Kühlschrankprämie für den Klimaschutz. Den Kleinbetrieben wurde die degressive Abschreibung geneidet, deshalb hatte man sie ab 2008 abgeschafft. Nun hat die Politik erkannt, wer wirklich Investitionen in Deutschland voranbringt und hopp-hopp, wird die degressive Abschreibung als Konjunktur-Belebungs-Maßnahme für 2009 vermarktet.

Es wird gekleckert, was das Zeug hält, um die historische Krise zu bewältigen. Derweil klemmen die Banken trotz möglicher Rettungspakete ihre Backen zusammen und bremsen den Mittelstand durch ihre Kreditpolitik aus. Auf diese Weise kann man auch eine Krise machen. Wer aber von sich glaubt, Millionengehälter Wert zu sein, weil man mit MBS, ABS, CDS und anderen schönen Glücksbringern Kreditrisiken verschleiern konnte, für den sind die Konditionen aus dem Rettungspaket natürlich nicht besonders erbaulich.

Zinssenkungen von EZB und FED verpuffen bisher
Die Zinssenkungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve Notenbank (FED) der USA und allen anderen Nationalbanken sollen die Märkte stimulieren. Seltsam nur, dass man Alan Greenspan heute vorwirft, dass er wegen seiner Politik des billigen Geldes angeblich erhebliche Mitschuld hat an den erzeugten Spekulationsblasen. Was dann aber an dem heutigen billigen Geld besser sein soll, um künftige Spekulationsblasen zu verhindern, hat mir bisher noch keiner richtig erklärt. Zugegeben, es ist sehr wahrscheinlich erforderlich, schnell auf diese außergewöhnliche Krise zu reagieren. Allerdings wurden die Märkte in den letzten Monaten mit unglaublich viel Liquidität gefüttert, ohne dass die Kreditklemme verhindert werden konnte. Es zeigt sich eben, dass diese unkontrollierte und unregulierte Geldschwemme nur die Spekulation weiter am Leben hält, aber die Realwirtschaft nicht mit ausreichenden Geldmitteln versorgt wird. Wen will man eigentlich retten mit all den 100ten von Milliarden EURO, Dollar und Pfund, die in die Märkte geflutet werden? Die Nationalbanken sollten endlich aufhören, die schwarzen Löcher des Finanz-Establishments zu stopfen und vielmehr dafür Sorge tragen, dass zweitklassige und drittklassige Sicherheiten der Banken nur dann von den Nationalbanken anerkannt werden, wenn diese neuen Gelder unmittelbar den real wirtschaftenden Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Wenn Alan Greenspan damals falsch gehandelt haben soll, warum ist dann das heutige Handeln der Nationalbanken richtig? Wenn zwei das gleiche tun, soll es in diesem Fall nicht dasselbe sein? Hoffen wir nur, dass nicht wieder die falschen Leute das billige Geld bekommen und diese Leute in ihren virtuellen Räumen weiter spekulieren können, um die nächste Krise vorzubereiten.

CO2-Zertifikatehandel als neue Spekulationswiese
Die Spielwiese des CO2-Zertifikatehandels wird ja bereits bestens für die Spekulanten der Zukunft vorbereitet ohne dass es der Umwelt nützt und die Reduzierung der Klimagase Erfolg versprechend umgesetzt wird. Die Politik der Welt scheint nicht zu begreifen, dass es um die Reduzierung der Klimagase, demnach auch der Zertifikate geht, das heißt, es wird ein knappes Gut produziert. Knappe Güter werden teurer. Warum sollen diese Gewinne bei den Spekulanten und den Energieunternehmen landen? Diese Opportunitäts-Gewinne sollten weitestgehend für Investitionen in die Zukunft nutzbar gemacht werden und nicht zur Bereicherung von Investoren aller Art dienen. Das Ziel ist der Klimaschutz. Das Ziel ist aber nur durch Energiewandel – ob durch erneuerbare Energien, neue Technologien, Energieeffizienz oder Energieeffektivität – wirksam zu erreichen. Es muss Aufgabe der Staaten sein, den Ordnungsrahmen für den CO2-Zertifikatehandel so zu gestalten, dass die Gewinne in die Volkswirtschaften in Form von Investitionen unmittelbar in die vorgenannten Instrumente zurückfließen.

Beginn der vierten industriellen Revolution?
Die Industrienationen sollten sich darauf einstellen, dass dieses historische Ereignis der Wirtschaftskrise die vierte industrielle Revolution hervorbringen kann. Der Strukturwandel ist dringend notwendig. Das Zeitalter der Autoindustrie wie wir sie bisher kannten, muss vorbei sein. Schafft endlich serienmäßig die Technologien, die benötigt werden, damit der Wohlstand nachhaltig weiter entwickelt werden kann. Würde die ganze Welt mit den derzeitigen Autotechnologien beglückt werden, würde das nur zu einer schnelleren Energieklemme führen mit all den bekannten Folgen, wie wir sie in den letzten zwei Jahren erleben konnten. Und dabei waren die Rohstoffe tatsächlich nicht wirklich knapp, sondern nur teuer. Wo werden die Preise hingehen, wenn Öl und Gas real knappe Güter werden?

Die Forderungen der Akteure werden immer größer und dreister. Mit Milliardensubventionen sollen ganze Industrien am Leben gehalten werden. Seit mehr als einem Jahrzehnt hatte man der Autoindustrie gesagt, sie solle umweltfreundlichere Autos bauen. Das hatten die Manager und Berater erfolgreich verhindern können. Der Lobbyismus hat aktuell wieder einen Erfolg dadurch erzielt, dass die CO2-Klimaziele beim Auto auf das Jahr 2015 gestreckt wurden. Die Autoindustrie fordert Anreizprogramme und Milliardengarantien, als Gegenleistung erfolgt nichts, außer Massenentlassungen und eine Problemwelle bei den Zulieferern. Innovation und Kreativität sieht anders aus. Es besteht die historische Chance auf einen Wandel in der Autoindustrie. Die Politik sollte diese Chance verstehen und ergreifen.

Nachhaltige Marktwirtschaft – Think Big
Think big ist in. Deshalb dachte ich mir, dass auch ich einen Big-deal-Beitrag zu den Möglichkeiten darstelle. Bei meiner Idee, nachhaltige Marktwirtschaft zu praktizieren, gehe ich immer vom Gleichrang der Ökonomie, Ökologie und der sozialen Verantwortung aus. Es geht dabei auch darum, das Schablonendenken vom Bürger als Konsumenten/ Verbraucher/ Nachfrager und dem Unternehmer/ Management als Erzeuger/ Anbieter zu durchbrechen.

Konsumgutschein versus Investitionsgutschein
Einer der Erfinder des „grandiosen“ Gesundheitsfonds, der uns allen ab 2009 anfänglich Krankenkassenbeiträge von 15,5% beschert, ist Karl Lauterbach. Die meisten Krankenversicherten werden ab nächstem Jahr höhere Beiträge bezahlen und das wird uns von diesem Mann zusammen mit unserer Gesundheitsministerin Ulla Schmidt als Wohltat für die Bürger verkauft.

Unser Wohltäter aus der SPD-Linken kam nun laut Handelsblatt vom 05.12.2008 auf die tolle Idee, jedem Bürger einen Konsumgutschein von bis zu 500 EURO zu spendieren. Damit sollen wir Waren kaufen, die wir sowieso kaufen würden oder Sachen kaufen, die wir im Moment nicht brauchen. Der vorgezogene Konsum würde dann später fehlen und die Wirtschaftskrise verlängern. An das entstehende Loch im Bundeshaushalt sollte man gar nicht denken. Schließlich betrifft das auch nur die nachfolgenden Generationen. Wir müssen jetzt entschlossen kurzfristig handeln….

Teilhabe am wirtschaftlichen Unternehmenserfolg
Die Unternehmer, Manager und Politiker sagen uns seit Jahren, dass die Bevölkerung teilhaben soll am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Deshalb gibt es auch groß propagierte Kleckerprogramme mit Belegschaftsaktien, Beteiligungsmodellen und Riester-Renten und anderen schönen Dingen des klein-klein der Bevölkerungsberuhigungspillen-verteilung des Establishments.
Ich bin ein großer Freund der Marktwirtschaft und befürworte auch die Teilhabe an der Prosperität der Gesamtwirtschaft und Gesamtgesellschaft. Wenn die Regierung so viel Geld hat, dass sie ca. 82,2 Mio. Bürgern jeweils 500 EURO verteilen kann für den Konsum, dann entspricht das ca. 41.000.000.000 (41 Mrd.) EURO, was nur 8% des Rettungspakets für die Banken ausmacht.
Wäre es nicht toll, wenn die Regierung statt des Konsumschecks für 500 EURO einen Investitionsgutschein verteilt und so die Grundlage geschaffen wird für eine breite Bevölkerungsbeteiligung an Unternehmen? Man könnte sich hierbei auf Unternehmen konzentrieren, die nach unternehmerischen Grundsätzen entweder insolvent wären (wie zum Beispiel illiquide Banken, obwohl sie im Kern eigentlich gesund sind) oder die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für das Gemeinwohl nicht in ausreichendem Maße gerecht werden (wie zum Beispiel Energiemonopole).
Wir wissen, dass bei einem nicht funktionierenden Bankenmarkt, die Wirtschaft leidet (z.B. Kreditklemme, teurere Kredite). Wir wissen, dass der Klimawandel uns enorme externe Kosten bereiten wird. Dennoch scheut sich die Politik, ordnungspolitisch und lenkungspolitisch auf die Energiemonopole Einfluss zu nehmen.

Strukturwandel gegen die Konjunkturkrise
Die Mahner vor der Finanzkrise wurden jahrelang, bestenfalls belächelt, meistens aber als unkundig der innovativen Potentiale der modernen Finanzwelt deklassiert. Das Ergebnis der Erfindung der innovativen Finanzprodukte ist der Finanztsunami 2008 und die folgende Weltwirtschaftskrise 2009. Das sollte uns vielleicht einen Vorgeschmack darauf geben, was der Klimawandel für Krisen auslösen kann, wenn die Mahner von heute weiterhin nur belächelt werden oder als unkundig der Entfaltungskraft einer unregulierten globalen Wirtschaft abgetan werden. Liebe Wirtschaftslenker und Politiker, das Zeitalter der Ökofundamentalisten ist längst vorbei. Es geht um Strukturwandel in der Wirtschaft und der Finanzbranche, damit auch nachfolgende Generationen, die gleichen Lebenschancen haben, wie wir sie heute genießen dürfen.

Unternehmensbeteiligung mal anders
Deshalb habe ich exemplarisch den DAX der Börse Frankfurt angeschaut und jeweils die beiden größten Banken und Energieversorger genauer angeschaut. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich an dieser Stelle keinerlei Aussage treffen möchte über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieser Unternehmen. Sie sind nur die 4 beispielhaft ausgewählten DAX-Unternehmen.

Betrachten wir die historischen Tiefstkurse der vier Unternehmen in den letzten 6 Jahren (Commerzbank € 5,30 (im Jahr 2008) - Deutsche Bank € 18,80 (im Jahr 2008) – EON € 11,56 (im Jahr 2003) – RWE € 17,68 (im Jahr 2003)) und teilen die Stückzahlen der Aktien (Commerzbank 723 Mio. – Deutsche Bank 571 Mio. – EON 2.001 Mio. – RWE 562 Mio.) durch die Bevölkerungszahl von ca. 82,2 Mio., dann ergibt sich ein Portfolio von 47 Stücken (CoBa 9 – DtBK 7 - EON 24 – RWE 7). Der Gesamtwert dieses Investitionsgutscheins würde ca. € 578 pro Person betragen.
Das entspricht etwa der Größe des diskutierten Konsumgutscheins und würde auf einen Schlag die gesamte Bevölkerung in Deutschland zu Investoren machen. Der Umweg würde über die kurzfristige Verstaatlichung dieser Unternehmungen gehen und der Staat könnte über die derzeit verteilten Steuer-Identifikationsnummern jedem Bürger zweifelsfrei das Aktienkontingent zuordnen und bei der Bundesfinanzagentur kostenfrei verwalten. Für jeden Aktionär würde das Depotstimmrecht gelten, wenn er nicht ausdrücklich widerspricht und sein Stimmrecht selbst wahrnimmt. Die verauslagten ca. 48 Mrd. EURO würden den Staatshaushalt zwar mit Neuverschuldung belasten. Da aber alle Bürger und Bürgerinnen dieses Landes den Betrag in Form von Aktien erhalten mit der Chance auf Kursgewinne und Dividendenausschüttungen, wäre diese Form der Staatsverschuldung vertretbar. Da bei jedem Verkauf oder jeder Dividendenzahlung die Abgeltungssteuer greift, würden die Schulden für den Kredit zügig zurückgeführt werden können.
Die erforderliche Anleihe könnte von den betroffenen Firmen gezeichnet werden und wäre z.B. innerhalb von 20 Jahren zurückzuzahlen. Das wäre dann eine Art „Bundes-Heuschrecken-Innenfinanzierungs-Anleihe“, allerdings mit einer wesentlich geringeren Verzinsung.

Dissoziative Identitätsstörung des Kapitalisten-Proletariers
Die Schranke zwischen Kapitalist und Proletarier wäre gebrochen. Was aber möglicherweise zu Identitätskrisen bei beiden führen könnte. Die Dissoziative Identitätsstörung als Krankheitsbild würde zunehmen. Ein Arzneimittel könnte als Massengenerika von Ratiopharm hergestellt werden, nachdem die gesetzlichen Krankenkassen den Pharmahersteller für sagen wir 2-3 Mrd. EURO von Adolf Merkle gekauft haben. Der Unternehmenskauf könnte ein dauerhafter Beitrag zur Stabilisierung der Medikamentenpreise werden.

Das Rettungspaket für die Bevölkerung
Bemerkenswert wäre auch, dass die Staatsgarantien, die den Banken durch das Rettungspaket der Bundesregierung gegeben werden, an uns selbst gegeben werden. Wir würden quasi an uns selbst die Zinsen und Gebühren bezahlen und müssten nicht die aberwitzige Diskussion mit der EU-Kommission führen, wie hoch denn nun eine angemessene Verzinsung für die in Schwierigkeiten geratenen Banken sein darf. Die Banken und Ratingagenturen rastern die Bürger und Unternehmen seit Jahren, um eine Rechtfertigung für hohe Zinsen zu haben. Risiko angepasste Verzinsung nennt man das.

Des Weiteren hätten alle Generationen Teilhabe an dem bestehenden Vermögen und aus den zu erwirtschaftenden Gewinnen. Diese Gewinne könnten theoretisch so hoch sein, wie sie wollten, denn sie würden in Form von Dividenden wieder an jeden Bürger ausgeschüttet werden. Wer an den Aktien nicht interessiert wäre, könnte diese verkaufen, übertragen oder spenden. Die Energieversorgung könnte massiv neu ausgerichtet werden nach den Erfordernissen, die der Klimawandel bedingt.

Attraktive Verzinsung durch Dividenden
Die Dividenden wären sehr attraktiv. Bezogen auf das dargestellte Paket betrugen diese für 2006 und 2007 jeweils ca. € 90. Historisch hatten die Dividenden im Durchschnitt ca. € 53 betragen. Das würde bei dem Paketpreis zu den Niedrigstkursen einer historischen Dividendenrendite von ca. 9% entsprechen.

Gibt es wirklich keine fähigen und engagierten Manager mehr, wenn Aktienoptionsprogramme, 200fache Jahresgehälter eines durchschnittlichen Arbeiters, überzogenen Rentenanwartschaften und Abfindungsprämien wegfallen? Das Gedankengut, das nur die Maximierung der Geldrenditen eines Unternehmens im Sinn hat, sollte Geschichte werden. Neue Wirtschaftstheorien müssen sich viel mehr mit der Optimierung der Renditen für die Unternehmen, die Menschen und die Umwelt befassen. Selbst bei Halbierung des wirtschaftlichen Gelderfolgs für das Unternehmen wäre die Rendite immer noch bei nachhaltig interessanten 4,5%. Mehr schaffen auch die meisten Lebensversicherungen auf lange Sicht nicht.
Bei Betrachtung der Nachhaltigkeit würde aber der Staatshaushalt entlastet werden von den Folgekosten aus dem Raubbau zu Lasten der Natur. Langfristigere Perspektiven würden zu angemessenen Entscheidungen bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen führen.

Ist Nachhaltigkeit realistisch umsetzbar?
Mir ist klar, dass die meisten Leser das voraus gesagte bei oberflächlicher Betrachtung sofort als Unfug abtun werden. Allerdings fühle ich mich bei all dem Unfug, den kurzfristig orientierte Manager, Wissenschaftler und Politiker derzeit von sich geben, was Steuersenkungen und Kaufanreizprogramme betrifft, in allerbester Gesellschaft.
Wir brauchen nicht Konsumanreize, wir brauchen Investitionsanreize.

Aber geben Sie es zu: Charmant ist diese Idee durchaus? Sie wäre sogar umsetzbar bei entsprechendem politischem Willen. Diese Lösung ist absolut kapitalistisch und sozialistisch zugleich. Die Unternehmen würden zwar kurzzeitig verstaatlicht – andere Staaten wie Großbritannien oder die USA scheuen davor auch nicht zurück – aber die Unternehmen würden an die Bevölkerung weitergereicht. Jeder von uns wäre ein kleiner Kapitalist. Das käme dem Neoliberalismus der Moderne sehr entgegen.
Das Handelsblatt schreibt am 08.12.2008, dass die Bundesregierung zusammen mit der Bundesbank vorhaben, über eine Clearingstelle den Interbankenhandel wieder zu beleben. Wahrscheinlich muss der Staat oder die Bundesbank die Haftung für diesen Handel übernehmen. Dann stellt sich allerdings die Frage, warum private Banken überhaupt noch existieren sollten, wenn sie kein unternehmerisches Risiko mehr tragen. Nur noch Gewinne zu machen, ist keine ausreichende Legitimation für die Privatisierung, wenn mit diesem Schritt alle wesentlichen Risiken des Bankgeschäfts über eine Staatsgarantie abgesichert sein werden.

Neue Unternehmenskonzepte für Energiekonzerne und Banken
Die Bürger hätten die interessante Aufgabe, selbst zu entscheiden, was sie für ihre Energie bereit sind zu bezahlen. Verkaufen sie Energie zu billig an sich selbst, ruinieren sie das Unternehmen. Sind sie zu teuer, wechseln sie selbst zur Konkurrenz. Beides Male schaden sie ihrer eigenen Aktie. Man könnte diese Konflikte endlich einmal in der Praxis ausleben, ohne dass der Verbraucher auf den Erzeuger schimpft und umgekehrt.
Bei den Banken könnte ein Gremium eingerichtet werden, das entscheidet, ob ein Kredit oder ein Zertifikat das Kriterium der Nachhaltigkeit erfüllt. So würde verhindert werden, dass z.B. Kredite für Firmenübernahmen nur am Rendite-Sättigungsbedürfnis einer sogenannten Heuschrecke oder der Provisionsgebühr für die Bank zur Verbesserung der Bonuszahlungen für Manager ausgerichtet sind.

Die heutige Generation könnte ihre Anteile auf die nachfolgende Generation übertragen, sodass auch der Generationengerechtigkeit genüge getan wäre.
Auch die Sozialisten müssten eigentlich zufrieden sein, da ihr Wunsch nach Bürgerbeteiligung und Mehrwertbeteiligung erfüllt wäre. Oder geht das den Linken zu weit, weil man ja auch das unternehmerische Risiko tragen müsste?

Wenn alle unzufrieden sind, ist das Modell wirksam
Letztlich wären bei meinem Modell alle unzufrieden, da die Grenzen zwischen Sozialismus und Kapitalismus verschwimmen würden. Die Spielwiese der Schwarz-Weiß-Denker wäre zerstört. Ein Sozialist kann nun mal kein Kapitalist sein und ein Kapitalist kann sich nicht mit einem Sozialisten einlassen.
Allerdings würden bei diesen Überlegungen die Bürger und der Staat und letztlich auch die Unternehmen als Gewinner aus der Finanzkrise und der Wirtschaftskrise hervorgehen. Es wird leider an politischer Kraft fehlen, solche Fragestellungen konkret anhand von akut betroffenen Unternehmen zu durchdenken.

Ein Wunsch für Weihnachten 2008
Schade eigentlich, dass dieser historische Wirtschafts- und Strukturwandel hin zur Nachhaltigkeit mutmaßlich nicht möglich sein wird. Bleibt mir für Weihnachten 2008 zu wünschen, dass unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel und unser Bundesfinanzminister Peer Steinbrück weiterhin das Standvermögen haben, dem täglichen Bombardement von Steuersenkungswünschen und Konsum-Wunschprogrammen zu widerstehen.
Es wurde in den letzten Monaten bereits sehr viel Geld in die Märkte gepumpt und die Zinsen mehrfach gesenkt, ohne dass die erhoffte Wirkung eintrat. Die Politik sollte erkennen, dass es um Strukturwandel geht und nicht um eine Konjunkturkrise.

Meine Werbebotschaft an Alle
Daher sende ich meinen Werbeslogan ganz im Sinne der Botschaften der vier Global Player:
Commerzbank – „Ideen nach vorn“ – Deutsche Bank – „Leistung aus Leidenschaft“ – E.ON – „E wie einfach“ und „Mit neuer Energie in die Märkte von morgen“ – RWE – „voRWEg gehen“

Gehen wir einfach vorweg mit Leidenschaft. Bringen wir Ideen nach vorn, um mit neuer Energie die Leistung für die Märkte von morgen zu erbringen - Nachhaltige Marktwirtschaft.

Es grüßt Sie
Dietmar Helmer, 08.12.2008
www.nachhaltige-marktwirtschaft.info
www.buergerstrom.org

Sonntag, 19. Oktober 2008

Finanzkrise – Backdraft der Finanzmärkte

Finanzkrise – Das Rettungspaket als Backdraft der Finanzmärkte?
Eine humorvolle und ernste Betrachtung von Brandstiftern und Feuerlöschern

„Wenn es auf den Weltfinanzmärkten brennt, dann muss gelöscht werden. Auch wenn es sich um Brandstiftung handelt. Danach müssen die Brandstifter allerdings anschließend gehindert werden, so was wieder zu machen. Die Brandbeschleuniger müssen verboten werden und es muss für einen besseren Brandschutz gesorgt werden. (Zitat Peer Steinbrück vom 15.10.08)

Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz
Herzlichen Dank, dass unser Finanzminister Peer Steinbrück so deutliche und bildhafte Worte findet für den Flächenbrand, der von den Finanzinnovatoren seit Jahren gelegt wurde. Allerdings stellt er in seinem Bild das WER? in den Vordergrund. Das ist derzeit aber nicht die vordringliche Fragestellung, zumal wahrscheinlich einige Brandstifter und Brandbeschleuniger auch in den Ministerien sitzen oder aus diesen kommen.
Die zentrale Frage der Feuerwehr bei einem Brand ist vielmehr das WAS? Zudem ist die Frage nach dem WIE? hilfreich und sicher könnte auch das WO? für die nötige Orientierung sorgen.
Wenn ich in der Voraberklärung der Regierung zu dem am 17.10.2008 unterschriebenen FMStG – Finanzmarktstabilisierungsgesetz und Schaffung eines Stabilisierungsfonds – lese, dass es KEINE Alternativen zum derzeitigen Rettungsplan gibt, dann stellt sich die Regierung in die gleiche Reihe der Arroganz, wie es Herr Steinbrück den Finanzbrandstiftern vorwirft. Wer gibt denn die Ratschläge zum Rettungsplan? Werden diese Ratgeber ausgewählt wie der „ein-paar-Stunden-Chef-in-Spe“ für den Rettungsfonds? Ausgewählte Brandstifter oder Mitwisser der Brandstifter als Feuerwehrmänner – das schafft „Vertrauen“ in der Bevölkerung.
Was die Regierungen und die Zentralbanken tun, ist einen Ölbrand (Hedging, Swapping, CDS-pushing, Cross-Border-Leasing, naked-short-selling, Leerverkäufe, einzelne Formen des Zertifikatehandels, bestimmte Hedgefonds und Zweckgesellschaften etc.) mit Wasser (Geld, Geld und noch mehr Geld) zu löschen.

Die Helden und das Finanz-BSE
Auf einmal wollen sich alle Regierungen, die bisher blind waren für die krankhaften Veranlagungen der Brandstifter als Helden feiern lassen. Ist denn die Finanzkrise wirklich so überraschend, wie alle behaupten? War es nicht vielmehr eine Art Finanz-BSE, das die Märkte und die Politik beherrscht hat?
Die Beschreibung der Krankheitssymptome ist auffallend identisch mit BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie – Bankmanager-spezifisches-(Enzephalon-)Gehirnleiden). Die verantwortlichen Manager, Berater, Ökonomen und Politiker zeigten sich bisher ungewöhnlich aggressiv, wenn man Kritik an Ihren „innovativen Produkten“ und Weltwirtschaft- Verbesserungsstrategien übte. Nun leiden sie unter schweren Koordinationsstörungen. Der Interbankenhandel ist kollabiert. Sie können ihre Gliedmassen nicht mehr kontrollieren. Was steckt in den Wundertüten der Tochterunternehmen und der Zweckgesellschaften alles noch für explosives Material? Die Aktienkurse stürzen häufiger ab und manch eine Bank oder manch ein Fonds verstirbt nach kurzer Zeit. Zumindest sind derzeit Angststarren und teilweise Koma ähnliche Zustände zu beobachten.

Die Brandbekämpfer und die Löschmethode
Aber kommen wir von der medizinischen Betrachtung wieder zur diagnostischen Betrachtung der Brandbekämpfung zurück. Das „Fegefeuer der Eitelkeiten“ brennt heftig und an verschiedenen Orten. Die Regierungen fahren mit ihren Feuerwehr-Löschzügen zu verschiedenen Brandherden. Ich frage mich, ob die Ministerien und die Regierung beim Schlauch ausfahren geprüft haben, ob der Schlauch überhaupt an den Löschwagen angeschlossen ist? Seit Monaten läuft das Wasser (Geld) unkontrolliert aus den Zentralbanken aus, ohne dass das Feuer spürbar zurückgegangen ist. Vielmehr haben die zaghaften Löschversuche der letzten Monate zu den Explosionen geführt, die wir derzeit erleben, da die Verantwortlichen das falsche Löschmittel verwendet haben.
Bei einigen Löschfahrzeugen ist der Schlauch angeschlossen worden, allerdings hatte der Löschtrupp nicht geprüft, ob die Schläuche Löcher haben. Schwarze Löcher hat die Finanzindustrie ja einige erzeugt. Die Verantwortungsträger behandeln einen Kranken, ohne die Krankheit wirklich bekämpfen zu wollen. Die Regierung hat den Sprachgebrauch der Bankenindustrie bereits aktiv verinnerlicht. Neben dem Stabilisierungsfonds haben Sie am 17.10.08 auch ein Gesetz zum Gesundheitsfonds beschlossen, sodass Krankenkassen nun auch in Insolvenz gehen können.

Vertrauen schaffen durch Insolvenz der Krankenkassen
Die Regierung macht heute Gesetze, die regeln, dass die durch den Gesundheitsfonds wahrscheinlichen Pleiten von AOK’s und anderen Krankenversicherern umgesetzt werden können. Auch das Dauerversprechen sinkender Krankenversicherungsbeiträge von der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat sich als vollkommen haltlos erwiesen. Mit Einführung des Gesundheitsfonds steigen die Beitragssätze auf 15,5% an. Seit Jahren gab es auch hier mahnende Stimmen, dass die Idee mit dem derzeit konzipierten Fonds zu Beitragssteigerungen führen wird. Unabhängiger, externer Sachversand war hier ebenfalls nicht gefragt. Wenn die Krankheit nicht diagnostiziert wird oder eine Fehldiagnose gestellt wurde oder wenn man eine richtige Diagnose gestellt hat, einem aber das Ergebnis nicht gefällt und man nur teilweise therapiert, dann wird die Krankheit immer schlimmer. Es handelt sich schließlich nicht um einen Schnupfen, sondern um Krebs, der bereits Metastasen gebildet hat. Der Gesundheitsfonds hat das erforderliche „Vertrauen“ in die Gesundheitspolitik der Bundesregierung bei der Bevölkerung genauso gefestigt, wie beispielsweise die Lagerung von Atommüll im Endlager „Asse“.

Nachhaltige Marktwirtschaft
Nachhaltige Marktwirtschaft beruht darauf, dass ökonomische, ökologische und soziale Aspekte zum Nutzen der heutigen und der künftigen Generationen und der Umwelt berücksichtigt werden. Weder in der Finanzwirtschaft noch in der Gesundheitswirtschaft ist dieser Gleichrang auch nur ansatzweise berücksichtigt. Kurzfristige Denkweisen beherrschen die Entwickler und Entscheider.

Von Doping, Lustförderern und Nervengiften
Die Regierungen haben durch ihre Gesetzgebung und ihre Nicht-Gesetzgebung die Aufputschmittel und Brandbeschleuniger zur Verfügung gestellt. Ist den Regierungen überhaupt bewusst, dass es sich bei Leerverkäufen von Aktien um das EPO-Doping der Finanzakrobaten handelt? Ist den Politikern bewusst, dass die Ausstattung des 40fachen Fremdkapitals zum Eigenkapital - wie in den USA möglich - den Finanzterminatoren als Viagra der Finanzdienstleistungsindustrie diente? Das Problem war nun, dass diese „Meister des Universums“ zu viele von diesen Pillen geschluckt haben. Niemand fragte wegen den Nebenwirkungen den Arzt oder Apotheker, sodass wegen zu hoher Dosierung die Gliedmaßen erschlafft sind und einigen Finanzinstituten der Infarkt droht. In den Drogenlabors und Giftküchen der Finanzprodukterfinder wurde und wird fleißig geköchelt, um immer neue Varianten von Finanzinnovations-Phenethylamin (=Substanzen die auf das zentrale Nervensystem wirken und Glücksgefühle auslösen) zu erfinden. Noch gibt es keine Drogenbehörde, die diese Finanz-Nervengifte kontrolliert und verbietet. Wir wissen, dass Enzephalopathien durch abnorme Konzentrationen toxischer Substanzen, Krankheitserreger oder Durchblutungsstörungen verursacht sein können. All diese Symptome sind in der Finanzwirtschaft vorhanden.
Als außen stehender Betrachter stehe ich da und denke an den Film „Denn Sie wissen nicht, was Sie tun.“ Ich kann jedem Interessierten auch den Film „Thank you for smoking“ empfehlen, der sehr anschaulich aufzeigt, wie Lobbyismus funktioniert. Pech für die Investmentbanker und Bankmanager war, dass der ursprüngliche dreiseitige Paulson-Plan, der dem amerikanischen Finanzminister die Allmacht über 700.000.000.000 (700 Mrd) Dollar gegeben hätte, nicht aufgegangen ist. Die Finanzmanager freuten sich bereits auf die süßen Kekstaler aus aller Welt. Allerdings wurde Ihnen nur ein Teller voller brownie Cookies aus der Staatsbäckerei von Gordon Brown in den Geschmacksrichtungen gesalzen, gepfeffert oder extra scharf mit Chili serviert.

Verstaatlichung als Brandbekämpfungsmittel
Interessant ist, dass eine scheinbar wirkungsvolle Methode der Finanz-BSE-Bekämpfung ausgerechnet aus Großbritannien kommt, wo die BSE-Krankheit ihren Anfang nahm. Die Idee der Teilverstaatlichung hat zumindest kurzfristig eine öffentlichkeitswirksame positive Meinung hervorgebracht. Die deutsche Regierung hat das Thema halbherzig aufgegriffen und teilweise in das Rettungspaket eingebunden. Man will so die Banken mit frischem Kapital ausstatten, ohne aber eine Verstaatlichung zu beabsichtigen. Wenn wir uns die DAX- und MDAX-Werte der Finanzindustrie anschauen und deren derzeitige Marktkapitalisierung, dann kommen wir zu einer erstaunlichen Erkenntnis.
Hierbei möchte ich betonen, dass mit meiner Aussage nicht unterstellt werden soll, dass auch nur eine der genannten Institutionen ansatzweise die Hilfe des Staats beanspruchen wollte, könnte oder müsste. Die Allianz (32 –jeweils Mrd Euro), Commerzbank (7), Deutsche Bank (18), Hypo Real Estate (1,2), Münchner Rück (17) sowie die Aareal Bank (0,3), AMB Generali (4,8), Hannover Rück (2,6), MLP (1,2) bringen es derzeit zusammen auf rund 84 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Wenn alle großen 9 (M)DAX-Werte auf das Kapitalisierungsangebot der Bundesregierung eingingen, würde das bei der im Gesetz definierten Selbstbeschränkung des Bundes bei einigen Beteiligten nur einen geringen Kapitalstärkungsbetrag ausmachen. Diese Kapitalspritzen reichten sicher nicht aus, um jeden Häuserbrand zu löschen. Wenn zur Stützung der Hypo Real Estate Bank bereits fast 50 Mrd notwendig waren, um den Einsturz deren Gebäude nach dem Ausbrennen zu vermeiden, dann würde die Stärkung des Eigenkapitals um den angedienten Betrag für diese Bank wirken, wie ein Glas Wasser, das zum Löschen eines brennenden Einfamilienhauses ausreichen muss.
Machen wir uns bewusst, dass man allein mit dem Geld, das die HRE erhalten hat, diese 40mal zu 100% hätten verstaatlichen können. Ich will damit nicht sagen, dass dies sinnvoll wäre. Ich will nur betonen, dass man mit dem Rettungspaket nicht das erreichen wird, was man beabsichtigt, zu erreichen.
Die HRE – hypochondrische (1) realitätsfremde Ekstase – ist symptomatisch für die Branche. Denn irgendwie glaubt die Finanzbranche selbst nicht, dass ihr Casinospiel aufgeht. Oder kann mir jemand einen wirtschaftlich vernünftigen Grund nennen, warum man über 55.000 mal 1.000.000.000 (Mrd), jawohl 55.000 Milliarden Dollar an CDS – Credit default Swaps – Kreditausfallversicherungen abgeschlossen hat? Das ist mehr, als das Weltbruttosozialprodukt überhaupt hergibt. Wie schwer muss die eingebildete Krankheit sein, dass die Finanzexperten, die ganze Weltwirtschaft gegen einen Ausfall versichert haben?

Bretton Woods II – Weltfinanzgipfel als Lösungsmittel
Alle Regierungen und deren Berater laufen mit brennenden Fackeln zum Feuer und rufen nach einem zweiten Bretton Woods. Der britische Notenbankchef John Maynard Keynes konnte seine Ideen 1944 nur teilweise durchsetzen. Die neoliberale Wirtschaftspolitik hatte seine Ideen Jahrzehntelang als Unfug hingestellt und nun machen alle Regierungen einen auf Keynes. Vielleicht bleibt auf der Konferenz etwas Zeit für Musik von Jethro Tull: „Let me bring you songs from Bretton Woods, to make you feel much better than you could know…“
Als Fackelträgerführer soll ausgerechnet der IWF - der Internationale Währungsfonds - den Brandschaden beseitigen helfen. Es war doch gerade der IWF, der in den letzten Jahrzehnten viele Lunten angezündet hat in der Welt und der neoliberalen Wirtschaftsphilosophie huldigte.
Wie nötig wäre ein „rettet Woods“- Programm, eine Weltklimakonferenz, die das Feuer der Klimaerwärmung löscht. Das Problem und die möglichen Schwierigkeiten, die sich für die Weltgemeinschaft der Zukunft ergeben, sind bekannt. Allerdings ist das Feuer sehr tückisch. Wir müssen erkennen, dass es sich um einen Backdraft handelt.

Backdraft macht blind – Risiko nicht erkannt
Die Regierungen der Welt erkennen die Gefahren ihrer Brandbekämpfungsmethoden nicht, weil Sie den Brand gar nicht richtig einschätzen. Zunächst hatte die Finanzindustrie in ihren Türmen bei geschlossenen Fenstern und Türen viel Rauch (siehe o.g. Finanzinnovationen) entwickelt. Warren Buffet hatte treffender Weise solche Produkte als „Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Es handelt sich bei genauerer Betrachtung um zündfähige Verbrennungsprodukte. Kleinanleger und andere können ein Lied davon singen, wie ihr Geld durch den Schornstein gejagt wurde. Dieses zündfähige Gemisch („fettes Gemisch“) aus Pyrolysegasen wird bei Öffnen der Türen oder Fenster zu einer Rauchgasexplosion, einem Backdraft. Das teuflische daran ist, dass man vorher keine offenen Flammen sieht und daher glaubt, dass es nicht brennt. Wenn man ohne vorherige Analyse des Brandortes aber den Sauerstoff in einen solchen Raum gibt, explodiert das Gebäude. Seit Monaten wurde Sauerstoff in die Bankentürme der Welt gepumpt und nun waren alle „Feuerwehrleute“ erstaunt, dass das Gemisch im Oktober explodiert ist. Regierungen dieser Welt: „Ihr müsst die richtige Feuerwehr rufen, damit die unabhängigen Experten euch beraten, wie man ein Feuer mit welchen Löschmitteln löscht ohne dabei das Leben der Feuerwehrleute und der umliegenden Bevölkerung und der Realwirtschaft zu gefährden. Nur weil sich die Brandstifter Feuerwehruniformen angezogen haben, werden diese noch lange nicht zu Brandbekämpfern.“

Call a Put – Gewinner in der Finanzkrise
Es gibt zu wenige Politiker, die Golf spielen, sonst wüssten sie, wie und wo große Geschäfte (big deals) gemacht werden. Wenn derzeit die Bankelite auf den Golfplätzen ihre Handicaps per Handy mit Caps austauschen und in ihre mobil phones hektisch rufen „Call a Put“, dann wüssten Politiker vielleicht, wie viele Milliarden Dollar oder Euro in den letzten Wochen von einigen Playern auch oder gerade bei den fallenden Kursen verdient wurden. Es sind derzeit eine Menge „Putter“ auf dem Platz. Für die Segler unter den Bankern bekommt der Begriff Segelturn vielleicht auch eine andere Bedeutung. Ob es sich bei der jetzigen Finanzkrise um einen Turn – eine Wende, Wendung – handelt, ist noch nicht ausgemacht. Derzeit sehe ich den Turn eher aus der musikalischen Richtung kommend – als Doppelschlag. Wenn die Regierungen ernsthaft glauben, dass bei der Weltfinanzkonferenz Maßnahmen zu einer wirksamen Brandbekämpfung im Finanzmonopoly ergriffen werden, dann glaubt man auch, dass eine Spinne, die mit ihrem Netz ein Insekt gefangen hat, zu dem Tier hineilt, um es aus dem Netz zu befreien.
Zudem habe ich den Eindruck, dass es bei der Brandbekämpfung mehr um die Rettung der Gebäude (Großbanken, Hedgefonds und Investmentinstitutionen anderer Art) geht, weil von diesen angeblich das gesamte Weltfinanzgefüge abhängig ist. Die oberste Priorität der Feuerwehr dient aber der Rettung von Menschenleben. Erhalten all die Brandopfer in der Welt die gleiche Aufmerksamkeit der Politik? Ganz sicher nicht. Vielmehr legt man sogar die Lunte an die Zukunft der Menschen, die noch gar nicht geboren sind.

CO2-Zertifikatehandel heutiger Prägung ist eine Lunte für die Klimakrise
Das Feuer-Spielzeug für die Vorbereitung der Klimakrise ist bereits vorhanden. Die Lunte für den CO2-Zertifikatehandel ist bereits gelegt. Seit Jahren schaut die Politik kraftlos zu, wie die europäischen Energiekonzerne maßlos Milliardengewinne durch die Windfall-Profits einfahren, indem die Energiemonopole die kostenlos zugeteilten Zertifikate den Verbrauchern zum Marktpreis in Rechnung stellen. Eine Prise der Gewinne wird dann in erneuerbare Energien investiert, um sich in der Öffentlichkeit mit geschickter Werbung als Klimaretter darzustellen.
Durch bessere Gesetze könnte mit dem aus den Taschen der Bevölkerung gesaugten Geld ein Mehrfaches an zukunftsweisenden Investitionen getätigt werden, als es derzeit der Fall ist. Allerdings ist die Innovationsfreudigkeit der Bevölkerung und des Mittelstandes auch deshalb reduziert, weil die Banken lieber „big deals“ machen, als Kredite an innovative und kreative Menschen und Unternehmen zu vergeben.
„Bretten Woods II“ müsste auch an dieser Stelle ansetzen, um Voraussetzungen zu schaffen, dass Kredite im Sinne von Nachhaltigkeit vergeben werden.

Eigentum verpflichtet
Artikel 14 unseres Grundgesetzes sagt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Das nähere regelt ein Gesetz.“ Die Bundesregierung schafft mit dem FMStG eine Voraussetzung zur Anwendung von Artikel 14 GG, will aber noch nicht so richtig das Thema weiterdenken. Banken zu verstaatlichen, ist sicher das allerletzte Mittel der Möglichkeiten. Anderen Staaten scheint es bereits ein hilfreiches Mittel der Wahl zu sein. Ich glaube, dass in der jetzigen Finanzkrise sehr viel Propaganda aus interessierten Kreisen die Medien beherrscht und Vieles schlimmer geredet wird, als es vielleicht sein müsste, um von anderen Dingen abzulenken. An den Extremen, die derzeit an den Weltbörsen sichtbar sind, kann man täglich die Blutdruckschwankungen sehen.
Wir haben derzeit mehrere Thromben im Blutkreislauf der Interbankenmärkte. Man muss dafür die richtige Medizin geben, um die Arterien wieder frei zu machen von diesen Verstopfungen. Wir werden erleben, dass das Rettungspaket der Bundesregierung nicht viele Banker dazu bewegen wird, das Angebot anzunehmen. Dazu wäre Voraussetzung, dass man die eigenen Fehler eingesteht und die staatliche Stütze braucht. Nimmt man diese an, hängt man am Gängelband der Politik. Also werden die Banken prüfen, welche Möglichkeiten genutzt werden können, um den Eingriff des Staates in ihre Institute zu vermeiden. Entweder vertrauen die Golfspieler und Segelturner sich dann alle wieder untereinander und es geht ohne Staat oder die Banken reduzieren ihre Kreditvergabe an die Bevölkerung und die Unternehmen. Dann würde aus der Finanzkrise tatsächlich eine Wirtschaftskrise. Die Staaten müssen hellwach beobachten, ob sich die Banken aus verletzter Eitelkeit der Hilfe verschließen und den Staat heraushalten. In diesem Falle würde es nicht gut bestellt sein um die Weltwirtschaft im Jahr 2009.

Pandora vereinigt sich mit Hydra
Tragisch ist, dass die Regierungen dieser Welt die Büchse der Pandora geöffnet haben, um mit ihren halbherzigen Versuchen der Beherrschung der Finanzkrise das Establishment zu schützen. Parlamente und Regierungen dieser Welt: „Ihr seit vom Volk gewählt (zumindest die meisten) oder wollt Volkes Willen repräsentieren. Dann handelt auch danach.“
Vielleicht ist aber auch die Hydra wieder auferstanden, um mit Ihren neun Köpfen Unheil über die Welt zu bringen. Da die Hydra aber eine Wasserschlange war, kann man diese neun Köpfe an Hydranten anschließen, damit genügend Wasser für die Brandbekämpfung zur Verfügung steht. Das Wasser der Landes- und Bodensee-Wasserversorgung sollte aber nicht genommen werden, da diese gerade am Cross-Border(line)-Leasing(Leaving)-Syndrom leiden und Masseninfektionen durch Keimübertragungen nicht ausgeschlossen werden können.

Seht die Chancen für die Nachhaltigkeit in dieser Finanzkrise, damit die Deklaration von Rio aus dem Jahre 1992 endlich mit Leben erfüllt werden kann. Hoffentlich findet ein „Klimawandel“ in den Köpfen der Weltpolitiker statt.
„Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“ (Johann Wolfgang von Goethe)


(1) Definition der Hypochondrie nach der ICD 10-Systematik (International Classification of Diseases) F 45.2: Vorherrschendes Kennzeichen ist eine beharrliche Beschäftigung mit der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren und fortschreitenden körperlichen Krankheiten zu leiden. Die Patienten manifestieren anhaltende körperliche Beschwerden oder anhaltende Beschäftigung mit ihren körperlichen Phänomenen. Normale oder allgemeine Körperwahrnehmungen und Symptome werden von dem betreffenden Patienten oft als abnorm und belastend interpretiert und die Aufmerksamkeit meist auf nur ein oder zwei Organe oder Organsysteme des Körpers fokussiert. Depression und Angst finden sich häufig und können dann zusätzliche Diagnosen rechtfertigen.

Es grüßt Sie Dietmar Helmer

Samstag, 27. September 2008

Finanzkrise und Schwarze Löcher - Eine Satire

Finanzkrise und Schwarze Löcher –
Die Finanzindustrie im Strudel der Zeit

Es sind gerade sehr hedgige (hektische) Zeiten in der Finanzwelt. LHC – Limited High Capital - (Large Hadron Collider in Cern) ist eine mögliche Ursache für die Unruhen. Angeblich kann niemand erklären, wie es dazu kommt, dass ganze Finanzinstitutionen verschwinden, obwohl das Experiment in New York und nicht in „Philadelphia“ stattfindet. Das Schwarze Loch soll nach verschiedenen Weissagungen aus informierten Kreisen möglicherweise auch auf die Realwirtschaft überswapen (überschwappen).

Wissenschaftler haben uns gewarnt, dass der „Teilzeitbeschleuniger“ in Cern möglicherweise zu Schwarzen Löchern führt. Es kann kein Zufall sein, dass dieser Energie- und Geldfresser am 10.09.2008 angeschaltet wurde und unmittelbar danach ein partielles Schwarzes Loch in der Finanzindustrie entstand. Nun dürften auch die Verschwörungstheoretiker endgültig zufrieden gestellt sein. Eine „Kathedrale der Optionen“ (Lehman Brothers) erlag am Montag 15.09.2008 seinen Konstruktionsmängeln, nachdem sich am Wochenende die Teilereignisse beschleunigt hatten. Es zeigte sich am 25.09.2008, dass zuviel Wa-ge-mu-t (WaMu – Washington Mutual) zu einem Kollaps führen kann.

In der neutralen Schweiz hat man L-Brothonen (Lehman Brothers; Protonen) und H-Bosonen (1) (HBOS) aufeinander geschossen. Nun wundern sich alle, dass ein Teil der hedgigen Finanzwelt durch die freigesetzten unbekannten Energien verschlungen wird.

Nicht nur L-Brothonen, H-Bosonen, viel „heiße Luft“ und virtuelle Finanzinnovationen wurden angesaugt, sondern auch die Alitalia geriet in den Strudel, sodass deren Flügel gestutzt wurden. Die hitzigen Gemüter und heißen Debatten führten zu einer „Klimaerwärmung“ im Aggregat, sodass der Teilchenbeschleuniger am 18.09.2008 abgestellt werden musste.

Die Gelddruckerpressen der Welt konnten wieder angeworfen werden, um mit zunächst 180 Milliarden Dollar die virtuellen Räume der Finanzwelt zu befüllen. Wie heißt es so schön: „Je oller desto Dollar.“ Am Freitag 19.09.2008 kam es den „Zurückgebliebenen“ vor wie eine Widergeburt, als ein Nachfolger von Paulus die Verkündung einer frohen Botschaft verbreitete: Paulus’ Sohn (Henry Paulson) ist bereit, den Geldjongleuren 700 Milliarden Dollar zu überweisen. Im Gegenzug schickt die Finanzindustrie ebenfalls mit Zahlen bedruckte Papiere zurück, im Fachjargon auch als Zertifikate oder Derivate bekannt.

Den Finanzvirtuosen soll auf diese Weise ein „Second Life“ ermöglicht werden. Reales Geld für virtuelle Finanzprodukte in einer virtuellen Finanzwelt. Wie soll Pauls Sohn auch anders handeln, sitzt ihm doch hinter dem Busch (George Bush) der Ben im Nacken (Ben Bernanke).

Es ist erstaunlich, dass ausgerechnet der Teil der Finanzindustrie und dessen Manager – bekannt auch als die „Beherrscher des Universums“ („Masters of the Universe“) - die für das Schwarze Loch verantwortlich sind, sich für unbesiegbar hielten und diesen privatwirtschaftlich erzeugten astronomischen Schuldenberg nun auf die nachfolgenden Generationen verlagern wollen. Diese Lynch-Justiz (Merrill Lynch) darf nicht mit anderen Mitteln fortgesetzt werden.

Doch die Universal Swap Association (USA) lernt nicht aus ihren Fehlern. Der administrative Wortführer King Henry (Paulson) soll mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet werden. Paulson war viele Jahre lang der Center Execution Operator (CEO – chief executive officer) der Vereinigung (Geld)Gold-manischer (Angel-)Sachsen (Goldman Sachs) und somit Teil des Problems. Es erscheint fraglich, ob er tatsächlich die Dimensionen der Folgen seines jetzigen Handelns erkennen kann. Denn schon Albert Einstein sagte: „Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Aber wenigsten ist das Schwarzes Loch zunächst scheinbar durch ein Wurmloch in die Zukunft verschwunden. Wahnsinn mit Methode, stetigem Bemühen, bestem Wissen und ohne schlechtes Gewissen.

Nachhaltige Entwicklung muss endlich Vorrang vor kurzfristigem Denken bekommen. Angst war in solchen Situationen noch nie ein guter Ratgeber, insbesondere wenn Entscheidungen aus blankem Entsetzen entstehen.

Der Finanz-Krake wäre endlich angebunden in seiner Schuldenfalle, sodass die reale Wirtschaft wieder eigenständige Entfaltungsmöglichkeiten entwickeln könnte. Wenn es möglich ist, dass Amerika ad hoc 700 Milliarden Dollar frisches Geld druckt, um den Finanzzirkus neu zu eröffnen, dann frage ich mich, warum es seit Jahren nicht möglich ist, einen solchen Betrag für den Aufbau neuer zukunftsorientierter nachhaltiger Industrien zu verwenden. Wir brauchen einen „Klimawandel“. Mit Fördergeldern dieser Größenordnung löst man Investitionen von mindestens 7.000 Milliarden Dollar aus. Wir bräuchten nicht mehr darüber zu diskutieren, ob der Energiewandel mit erneuerbaren Energien möglich wäre. Er würde stattfinden - innerhalb eines Jahrzehnts. Die Finanzwelt zu retten, die seit Jahren am „Münchhausen-Syndrom“ (2) leidet und sich „am eigenen Schopf“ aus dem Schwarzen Loch zu ziehen versucht, dafür macht die amerikanische Administration sich stark. Dieselbe Kraft für die Menschen und die Umwelt aufzubringen, ist offensichtlich nicht gewollt.

Könnte man die gesamte „heiße Luft“ der sogenannten Finanzinnovationen der letzten 10 Jahre in einem Blockheizkraftwerk in Wärme und Strom umwandeln, wäre die weltweite CO2-freie Energieversorgung auf Jahrzehnte gesichert.

Die aktuellen Hiobs dieser Welt werden mit Ihrer Botschaft nicht Recht behalten, dass mit dem Untergang von Investmentbanken und Hedgefonds auch die reale Wirtschaft vernichtet wird. Ohne „Wunden lecken“ wird es aber wohl nicht gehen. Der Zukunfts-Kontrakt (forward contract) ist für die Investmentbanken am 21.09.2008 ausgelaufen. Ihr „Helden der Finanzen“ wolltet die freie Marktwirtschaft, dann solltet ihr jetzt selbst deren Auswirkungen spüren. Schumpeter’s Theorie von der „schöpferischen Zerstörung“ von 1911 lässt grüßen.

Da die Amerikaner wegen des Quartal-Bilanz(-frisier-)stichtages zum 30.09.2008 ernst machen wollen mit ihrem 700.000.000.000 Milliarden Dollar Geld(d)ruck-Programm, kann es möglich sein, dass beim wieder Anfahren des Teilchenbeschleunigers durch den Zusammenprall der neuen Dollarscheine mit der Realität das Schwarze Loch noch viel größer sein wird, als sich das viele Akteure heute vorstellen können.

Die Konservativen glaubten immer zu wissen, dass demokratischer Sozialismus nicht funktionieren kann. Wieso glauben die Konservativen jetzt, dass republikanischer Sozialismus (Privatisierung der Gewinne – Verstaatlichung der Verluste) funktionieren soll.

Nachhaltige Marktwirtschaft sieht anders aus. Wie sagte einst Max Planck: „Wer nicht gelegentlich auch einmal kausalwidrige Dinge zu denken vermag, wird seine Wissenschaft nie um eine neue Idee bereichern können.“

(1) Im Jahr 1983 wurden die W- und Z-Teilchen (Bosonen), die Trägerteilchen der schwachen Kraft, bei CERN entdeckt. Die Entdeckung wurde 1984 mit dem Nobelpreis geehrt.


(2) Definition des Münchhausen-Syndrom nach der ICD 10-Systematik (International Classification of Diseases) F 68.1 (Modifikationen): Artifizielle Störung (absichtliches Erzeugen (von sogenannten innovativen Finanzprodukten) oder Vortäuschen (Topratings für schlechte Produkte) von körperlichen oder psychischen (Geldwahn, Depressionen) Symptomen oder Behinderungen (bei der Liquidität, in der realen Wirtschaft) ) Der betroffene Patient täuscht Symptome wiederholt ohne (mit) einleuchtenden(m) Grund vor und kann sich sogar, um Symptome oder klinische Zeichen hervorzurufen, absichtlich selbst beschädigen. (Das FBI ermittelt bereits.) Die Motivation ist unklar (eindeutig), vermutlich besteht das Ziel, die Krankenrolle einzunehmen. (Deshalb erhält nicht das amerikanische Volk eine Gesundheitskasse, sondern die amerikanische Finanzindustrie.) Die Störung ist oft mit deutlichen Persönlichkeits- und Beziehungsstörungen kombiniert. Durch Institutionen wandernder Patient (wie wandernde „Heuschrecken“) (peregrinating patient) Hospital-hopper-Syndrom (Nachdem man Unternehmen durch „Umschichtungen der Vermögenswerte“ den wirtschaftlichen Herausforderung der Moderne anpassen wollte, werden Verluste nun weiter umgeschichtet auf den Steuerzahler).

Sonnige Grüße
Dietmar Helmer
Bürgerprojekt Photovoltaik - Bürgerstrom

Mittwoch, 2. Juli 2008

Freie globale Marktwirtschaft - Der Rohölpreis und seine Zukunft - Die Nachhaltigkeit in der Energieversorgung sieht anders aus.

Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems,
das gelöst werden will. (Galileo Galilei)

Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen. (Max Planck)

Manche sprechen von einem Monster, das wir nicht sehen können und das dennoch da sein soll. Es werden Fragen gestellt wie: „Wer ist schuld am hohen Ölpreis?“ Je nach Interessenlage lautet die Antwort: die Spekulanten, die Ölförderstaaten, die Energiekonzerne, die Staaten, welche das Öl (Benzin u.a.) zu hoch besteuern oder auch die Staats-, Investment-, Hedgefonds oder andere anonyme Organisationen.

Die Zeitungen werden voll geschrieben mit Überlegungen, wie man den Ölpreis wieder deutlich reduzieren kann. Politiker wetteifern miteinander, Energie durch Reduzierung von Steuern oder der Einführung von Sozialtarifen billiger zu machen. Das ist zwar wahlkampftauglich, grenzt aber marktwirtschaftlich und fiskalpolitisch eher an groben Unfug. Es blendet die Tatsache aus, dass fossile Energieträger zukünftig nicht mehr so günstig wie in der Vergangenheit angeboten werden.

Anstatt konsequent Anreize für den Energiewandel und die neuen Energietechnologien zu schaffen, werden banale Preisdiskussionen geführt. Ich bin da pragmatischer: Die hohen Preise führen dazu, dass die Verbraucher endlich effizientere und sparsamere Produkte nachfragen und über Änderungsstrategien in ihrem Energieverhalten nachdenken. Mit etwas Verzögerung werden auch die Politiker und die Wirtschaft dem Trend folgen und nachhaltige Politik- bzw. Angebotsstrategien entwickeln.

Was die Umweltbewegung in 30 Jahren ökologisch-moralisch-ethischer Appelle nicht geschafft hat, erreichte die Ökonomie in nur drei Jahren. Und wir sind erst am Anfang der Preisspirale! Im Jahr 2005 hatte die Investmentbank Goldman Sachs einen Ölpreis von 100$ prognostiziert. Damals lag der Ölpreis bei 50-60$*. Dass das Etappenziel bereits zwei Jahre später erreicht würde, hatten auch die hoffnungsfrohsten Spekulanten nicht annehmen dürfen.Im Januar 2008 prognostizierte Claudia Kemfert vom DIW einen Ölpreis von 150$ in fünf und von 200$ in 10 Jahren. Auch für das DIW war es wohl außerhalb der Vorstellung, dass die fünf Jahre auf 5 Monate schrumpfen könnten. Der nächste Taktgeber mit einem Preis von 300$ bis 2015 war im Juni 2008 das französische Ölinstitut IFP. Im gleichen Monat legte der OPEC-Präsident Chakib Khelil noch einen 100$-Schein drauf und kann sich auch 400$ pro Barrel Öl vorstellen. Für dieses Jahr prognostizierte er bis zu 170$ und für das Jahr 2009 könnten es bereits 250$ sein.

In den Medien geben sich Politik und Wirtschaft „geschockt“, ob der Gefahren des hohen Ölpreises. Rezession, Inflation, Stagflation – das ganze Repertoire der Möglichkeiten wird angeführt. Angst und Unsicherheit, vermengt mit steigender Nachfrage, ist ein Garant für steigende Preise.Und sie werden steigen – garantiert!! Selbst wenn wir im Jahr 2009 in eine weltweite Rezession abgleiten sollten und die Nachfrage nach Öl deswegen vorübergehend reduziert wird, bleibt der Trend unumstößlich erhalten.

Sind denn die genannten Zahlen wirklich so unglaublich hoch? Seitdem die Themen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung auch Tagesgespräch in ökonomischen Kreisen wurden, sind den spekulativen Trieben aller Akteure Tür und Tor geöffnet. Deren Argumentationsketten sind mit einer tiefen Logik durchtränkt, um die Preistreibereien scheinbar plausibel zu erklären. Es gibt nur Gewinner in dem Preisspiel – außer natürlich dem Verbraucher, der den Preis zahlen muss, um sein Grundbedürfnis nach Energie zu befriedigen.

Wir wissen spätestens seit den 70er Jahren durch den Bericht des „Club of Rome“, dass Öl ein begrenztes Gut ist. Nachdem sich in den letzten Jahren die Thesen der Peak-Oil-Theorie nachweislich bestätigen, sind wir jetzt am Zenit der Globalölförderung angekommen. Als erster Konzern hat der französische Ölmulti Total anerkannt, dass der Peak-Oil-Punkt erreicht ist. Natürlich wissen die anderen Konzerne auch, was die „Jahre beim Öl geschlagen“ haben. Allerdings scheint dort niemand wirklich traurig über den Zustand zu sein. Lässt sich doch mit dem Rohstoff Öl (und Gas und all den anderen Rohstoffen) derzeit unglaublich viel Geld verdienen. Die goldumrandeten Bilanzen der Energiemultis, der Ölförderstaaten, der Fonds sprechen Bände.
Derzeit - im Juni 2008 - liegt der Ölpreis bei 135$. 2004 lag der Preis bei 40$. Das ist eine Steigerung um 240% in 4,5 Jahren. Selbst wenn wir ein halbes Jahr zurückgehen, spekulativen Druck auf 90$ herausnehmen, beträgt die Steigerung immer noch 125%.
Heute wären wir alle glücklich, wenn der Ölpreis bei „nur“ 90$ liegen würde. So schnell kann man sich gewöhnen an einen Preisanstieg von 40$ auf 90$ in nur 4 Jahren.
Wir sehen, dass in den letzten Jahren die Marktmechanismen zugunsten der Profiteure bestens genutzt wurden. Die Themen Ökologie und Klimawandel werden missbraucht, um die Preissteigerungen zu legitimieren.

Blicken wir auf einem Zeitstrahl von 4 bzw. 7 bzw. 12 Jahren und einem Anfangsölpreis von 90$ bzw. 135$ gemeinsam in die Zukunft eines möglichen Ölpreises von 200$ bzw. 300$ bzw. 400$. Wir werden schnell erkennen, dass die genannten Zahlen nicht einer Kaffeesatzleserei oder irgendwelchen Verschwörungstheorien entstammen, sondern nüchterne Zinseszinsrechnung ist. Bereinigungseffekte, wie Inflation und Wechselkursschwankungen kann man unberücksichtigt lassen, weil Sie die Zielaussage im Kern nicht wirklich beeinflussen.

von x$ auf y$ in 4 Jahren in 7 Jahren in 12 Jahren
von 90 auf 200 22% 12% 7% (jährliche Steigerung in %)
von 135 auf 200 10% 6% 3%
von 90 auf 300 35% 19% 11%
von 135 auf 300 22% 12% 7%
von 90 auf 400 45% 24% 13%
von 135 auf 400 31% 17% 10%

Die %-Werte in der Tabelle wurden der Übersichtlichkeit wegen auf ganze Zahlen gerundet. *Alle Angaben über Preise, Prozente, Tage, Monate und Jahre im Artikel sind als ca. Werte zu betrachten.

Wenn wir beispielsweise von heute 135$ pro Barrel Öl (= 159 l pro Fass) ausgehen und annehmen, dass der Ölpreis in 12 Jahren 200$ beträgt, dann entspräche dies einer jährlichen Steigerung von nur 3%. Bei der Annahme einer dauerhaft einstelligen Steigerungsrate dieser Größenordnung bekommen die meisten Analysten und Fondsmanager sofort einen Herzinfarkt. Nehmen wir an, dass im Rahmen einer möglichen Rezession in 2009 der Ölpreis auf 90$ zurückfällt, dann würde dies bei einem Preis von 200$ in 12 Jahren einer Steigerung von 7% p.a. entsprechen. Das würde immer noch zu Magengeschwüren bei den Profitjägern führen. „Da steckt keine Musik drin.“ Selbst ein Szenario zum Basispreis 90$ und einer Hausse auf 400$ in 12 Jahren bringt „nur“ eine Steigerung von 13% p.a. Das ist noch immer weit weg von den Steigerungsraten der letzten 4,5 Jahre.

Sehr geehrte Konsumenten, machen Sie sich bewusst, dass das Zeitalter der billigen fossilen Energieträger endgültig vorbei ist. Da der Energiehunger weltweit zunehmen wird, kann es auf einem Markt der begrenzten Güter nur einen Trend geben – nach oben. Selbst rezessionsbedingte Rückschläge in den Preisen werden den langfristigen Trend nicht aufhalten. Erst wenn es echten Wettbewerb mit alternativen Energieträgern gibt, wie durch den konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien mit all seinen Möglichkeiten, kann dieser Trend für die fossilen Rohstoffe langfristig möglicherweise durchbrochen werden.
Wenn wir nicht mehr auf die fossilen Brennstoffe als Grundversorgung für Strom, Wärme und Kraftstoffe angewiesen sein werden, können sich neue Marktpreise einpendeln. Als Verbraucher haben Sie künftig sogar selbst die Möglichkeit (z.B. durch ein Bürgerprojekt Bürgerstrom) zum Investor oder Unternehmer zu werden und eigenverantwortlich ihre Energieversorgung zusammen mit anderen interessierten Menschen vor Ort zu organisieren.

Auch im amerikanischen Wahlkampf ist das Thema Öl angekommen - mit möglicherweise dramatischen Folgen für die Umwelt. Der US-Präsidentschaftsbewerber John McCain und der derzeitige US-Präsident George W. Bush sind bereit, für „psychologische Auswirkungen“ auf den geplagten Verbraucher, große Naturschutzgebiete vor den Küsten Amerikas und in Alaska für die Ölförderung freizugeben (Spiegel-online vom 26.06.2008).
Als Argument wird angeführt, mit dem inländisch geförderten Öl die Benzinpreise senken zu können. Wie Öl, das erst in 15-20 Jahren gefördert würde, die Preise von heute dauerhaft senken kann, bleibt das Geheimnis der Wahlkämpfer. Was allerdings klar ist, ist die Tatsache, dass die Taschen der amerikanischen Ölmultis in 15-20 Jahren bei denkbaren Ölpreisen von 500$ und mehr, die Bilanzen nicht mehr nur vergolden werden. Bei einem Preis von heute 90$ (135$) erreicht man die 500$ in 20 Jahren bei einer jährlichen Steigerung von bereits 9% (7%). Sie sehen, dass die Republikaner sich wenigstens in dieser Hinsicht sehr für Nachhaltigkeit einsetzen.
Machen wir uns bewusst, dass für die mutmaßlich 18 Milliarden Barrel Öl, die in diesen Naturschutzgebieten liegen, der Raubbau an der Natur weitergetrieben wird. Die derzeit bekannten und förderfähigen weltweiten Ölreserven werden mit 1.248 Milliarden Barrel angegeben (Handelsblatt vom 18.06.2008). Die Republikaner sind bereit, wegen nur 1,5% der Ölreserven, ihre Naturschutzgebiete zu opfern. Die USA verbrauchen pro Tag 20,7 Millionen Barrel Öl. In 870 Tagen wären die neuen Ölquellen ausgebeutet. Bei einer angenommenen inländischen US-Förderung von 8 Millionen Barrel pro Tag, wären die Reserven in 2250 Tagen verbraucht. Für 6 Jahre Zeitgewinn ist der Preis sehr hoch, den die Menschheit und die Umwelt für diesen Egoismus zahlen müssten. Wer soll denn ernsthaft glauben, dass dieser kurze Zeitraum nachhaltig Preis dämpfend wirkt?

Wir können aber an diesem Beispiel sehen, wie verzweifelt und hilflos die Politik auf die Herausforderung des Klimawandels reagiert. Die Ölförderung (Gas-, Kohle-) muss in dieser Logik weiter gehen - koste es, was es wolle. Eine CO2-Vermeidungsstrategie kann ich hierin nicht erkennen.

Eine Studie von McKinsey vom 25.09.2007, welche im Auftrag von „BDI initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz“ erstellt wurde, sollte aufzeigen, wie unwirtschaftlich der Energiewandel durch erneuerbare Energien und technologischen Fortschritt sei. In einer Analyse zur Studie, habe ich die vom Lobbyismus gesteuerten Argumente des BDI aufgearbeitet. Hierbei war mir u.a. aufgefallen, dass McKinsey und der BDI mit aller wissenschaftlichen Macht feststellen ließen, dass der Ölpreis im Jahr 2010 bei 57$ (max. 63$), im Jahr 2020 bei 52$ (max. 68$) und im Jahr 2030 bei 59$ (max. 75$) stehen wird.
Diese „Studie“ ist somit bereits nach wenigen Monaten in der (Öl-)Tonne der Lobbyismus-Märchen versunken.

Wir kommen schneller wie erwartet an den Punkt, dass wir über den ökologischen Wandel der Weltwirtschaft nicht mehr als Wachstumsbremse sprechen. Wir reden darüber, wie die erneuerbaren Energien und die sich daraus ergebenden neuen Technologien als Wachstumsmotor die Weltwirtschaft beflügeln.

Mich beunruhigt nicht die Tatsache, dass die Ölpreise (Energiepreise) in dieser Geschwindigkeit steigen. Diese Entwicklung war und ist in Prozessen der globalen, wachstumsorientierten, ungezügelten Marktwirtschaft bei knappen, endlichen Gütern logisch konsequent implementiert.

Mich beunruhigt die Tatsache, dass die Politik nicht schon längst die richtigen Fragen stellt und auf diese Fragen lösungsorientierte Antworten gibt. Dies liegt vor allem daran, dass die Politik selbst Bestandteil des Problems ist. Zitat von Albert Einstein: „Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Wie im ersten Absatz dieses Artikels bereits benannt, gibt es verschiedene Interessenkartelle zur Erhaltung der bestehenden Strukturen. Alle diese Kartelle verdienen sehr viel Geld mit der etablierten Form der Energiegewinnung, Energieproduktion und Energieverteilung. Die Transformation zu einer neuen Art und Weise der künftigen Energieversorgung ist „eine wirklich gute Idee, deren Verwirklichung von vorne herein ausgeschlossen scheint.“ (in Anlehnung an ein Zitat von Albert Einstein)

Nachhaltige Marktwirtschaft wird nicht von Spekulanten und der (Oligopol-) Monopolwirtschaft vorangebracht, aber diese Akteure schaffen durch ihr zwanghaftes Verhalten der Gewinnmaximierung die Voraussetzung, dass eine Veränderung zur Nachhaltigkeit (Nachhaltige Entwicklung – sustainable development) im Sinne der Deklaration von Rio aus dem Jahre 1992 möglich wird.
Die Energiefrage ist das erste wirklich globale Thema, das die Chance zur Gleichberechtigung von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung eröffnet - zum Wohle der heutigen und der künftigen Generationen und der Umwelt.

Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden.Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun (Johann Wolfgang von Goethe)

Dietmar Helmer
http://www.buergerstrom.org/

Freitag, 20. Juni 2008

WWF-Deutschland: Hitliste der Strom-Abzocker

WWF-Deutschland: Hitliste der Strom-Abzocker


Die Gewinnmitnahmen deutscher Stromerzeuger in der zweiten Phase des EU-Emissionshandelssystems (2008-2012) Eine Kurzanalyse für die Umweltstiftung WWF Deutschland Berlin, 14. Mai 2008
Dr. Felix Chr. Matthes Öko-Institut



Die Kernaussage der Analyse:

E.ON werde auf diese Weise in den nächsten Jahren voraussichtlich 11,0 Milliarden Euro einstreichen; bei RWE seien es 9,0 und bei Vattenfall immer noch rund 6,6 Milliarden Euro. Auch EnBW und Evonik können mit Zusatzeinnahmen von 6,0 bzw. 2,3 Milliarden rechnen.


http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/Die_Gewinnmitnahmen_deutscher_Stromerzeuger_in_der_zweiten_Phase_des_EU-Emissionshandelssystems__2008-2012_.pdf

Der Emissionshandel ist grundsätzlich eine sinnvolle Maßnahme, um den CO2-Ausstoß begrenzbar zu machen. Allerdings ist die Art und Weise der Umsetzung sehr lückenhaft, da die Politik zulässt, dass die Energiekonzerne Windfall-Profits vereinnahmen und wir Stromverbraucher diese bezahlen, ohne dass diese Summen auch nur annähernd in erneuerbare Energien oder die wirkungsvolle Modernisierung des Kraftwerksparks (z.B. Erhöhung der Energieeffizienz) in Deutschland fließen.

Sonnige Grüße
Ihr Dietmar Helmer

Freitag, 25. Januar 2008

Solarzellen mit Nanotechnologie von GE Global Research

GE Global Research präsentiert kostengünstige Solarzellen mit Nanotechnologie
GE setzt auf Nano-Photovoltaik.

Die zentrale Forschungsabteilung der General Electric Company (Niskayuna, N.Y.) berichtete am 16. Januar 2008, dass Wissenschaftler ihres Teams zur Nano-Photovoltaik Solarzellen vorgestellt haben, die auf Silizium Nanodrähten basieren und in verschiedenen Größen hergestellt werden können. Laut GE haben die Nano-Solarzellen das Potenzial, Wirkungsgrade bis 18 % zu erreichen und deutlich günstiger hergestellt zu werden als herkömmliche Photovoltaik-Zellen. Die Präsentation dieser neuen Technologie stehe für eine vielversprechende Entwicklung, die den Verbrauchern deutlich mache, dass Solarstromanlagen wirtschaftlich sein können, betont GE. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift für angewandte Physik (Applied Physics Letters) veröffentlicht. Nano-Solarzellen basieren auf speziell strukturierten Halbleitern mit winzigen Partikeln, welche die Oberfläche der Zelle vergrößern und somit eine höhere Effizienz ermöglichen."Die Präsentation von GE's Nano-Solarzellen ist ein wichtiger Durchbruch bei dem Bestreben Solarzellen mit einem höheren Wirkungsgrad zu wesentlich niedrigeren Kosten herzustellen", sagte Loucas Tsakalakos, Projektleiter des Nano-Teams bei GE. "Noch immer gehen höhere Wirkungsgrade einher mit höheren Preisen. Mit den einzigartigen Vorzügen der Nanomaterialien in der Produktion wollen wir einen Paradigmenwechsel einleiten und den Weg frei machen für preisgünstigere Solarzellen, mit gleichem oder sogar höherem Wirkungsgrad", ergänzt Tsakalakos.Öko-Vision für saubere Energietechnologien. Die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Systemen und deren Verfügbarkeit zu steigern ist ein zentraler Bestandteil der GE-Initiative "ecomagination". Dies Öko-Vision stehe für das Bestreben von GE, sauberere Energietechnologien und Produkte zu entwickeln, um den wichtigsten Herausforderungen des Umweltschutzes und der Energieversorgung zu begegnen. GE will seine Investitionen in Umwelttechnologien wie die Solartechnik mehr als verdoppeln; die Ausgaben dafür sollen bis zum Jahr 2010 von gegenwärtig 700 Millionen US-Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar steigen. Schon in diesem Jahr soll das Budget für Forschung und Entwicklung eine Milliarde US-Dollar übersteigen.GE Energy vertreibt und verkauft Solarstrom-Systeme für private, kommerzielle und industrielle Anwendungen. Das Global Research Center des Unternehmens entwickelt innovative Technologien, die das Produktangebot des Konzerns erweitern. Die im Journal für angewandte Physik vorgestellte Arbeit ist eines der Ergebnisse der Zusammenarbeit von Forschern von GE Global Research und der Solartechnologie-Sparte von GE.Weltweite Solartechnologie-PlattformDas globale Solar-Forschungsprogramm von GE beschäftigt sich mit der gesamten Wertschöpfungskette der Solarindustrie und umfasst kurz- und langfristige Technologieinitiativen. Der Forschungserfolg von Dr. Tsakalakos und seinem Nanophotovoltaik-Team, sei Teil einer der am weitesten reichenden Aktivitäten des Solar-Forschungsprogramms von GE, betont das Unternehmen.US-Solar-Initiative will Solarstrom bis 2015 wettbewerbsfähig machenGE arbeitet mit dem US-Energieministerium in der amerikanischen Solar-Initiative zusammen, die sich auf die Kostensenkung der Photovoltaik in nächster Zukunft konzentriert. In diesem Rahmen führt GE ein auf drei Jahre angesetztes Programm durch, in dem drei Solar-Technologien untersucht werden: hoch effiziente Silizium-Solarzellen, gegossene Silizium-Wafer und flexible Dünnfilm-Solarzellen. Als Ergebnis der US-Solarinitiative soll die Photovoltaik bis 2015 wettbewerbsfähig sein. Über dieses Programm hinaus arbeiteten GE-Forscher an Technologien zur direkten Nutzung der Solarenergie in Häusern und Gebäudekomplexen sowie zur Netzeinspeisung des Solarstroms sowie zur Netzintegration von Strom aus Sonne und Wind, heißt es in der Pressemitteilung.
23.01.2008 Quelle: GE Global Research www.Solarserver.de © Heindl Server GmbH Bildquelle: GE Global Research

Wenn das keine guten Nachrichten sind. Zwei sehr innovative Ideen (siehe vorhergehenden Blog) in der Solarstromtechnologie werden kurzfristig für den Markt verfügbar sein. Hierurch wird die Idee von Bürgerstrom und das Bürgerprojekt Photovoltaik neue Dynamik erhalten. Nachhaltige Marktwirtschaft im Energiesektor wird durch solche Technologien greifbar.
Der Wettbewerb im Energiesektor hat begonnen.

Sonnige Grüße
Ihr Dietmar Helmer
www.buergerstrom.org